Berlin - Wie ernst diese Sache mit dem Eröffnungstermin ist, lässt sich derzeit weniger an den Fakten erkennen als vielmehr an der Wortwahl erfühlen. Es scheint nämlich zur Glaubensfrage geworden zu sein: „Solange der Herr Amann sagt, der Eröffnungstermin ist zu halten“, so lässt sich der Sprecher von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), Sebastian Rudolph, am Montag zitieren, „solange glauben wir das auch.“ So wahr ihm Gott helfe, möchte man hinzufügen.

Horst Amann, 59, Technikchef der Flughafengesellschaft, vor rund einhundert Tagen aus Frankfurt am Main importiert, um die Baustelle am Hauptstadtflughafen BER wieder flott zu machen, geht dieser Tage einer schweren Aufgabe nach. Flughafensprecher Ralf Kunkel beschreibt sie wie folgt: „Wir arbeiten derzeit intensiv mit Planern und Experten daran, Lösungen für die noch offenen Punkte zu finden.“

Gestörte Kommunikation

Laut einer von Amann angeforderten schriftlichen Stellungnahme der BER-Brandschutzexperten vom Ingenieurbüro hhpberlin gibt es nämlich erneut Anlass, am bereits zum dritten Mal verschobenen BER-Starttermin, dem 27. Oktober 2013, zu zweifeln. Der Termin sei „kritisch“ zu sehen, teilten die Ingenieure am 30. Oktober per Brief mit, solange nicht Lösungen für eine Reihe von Problemen auf der Baustelle gefunden werden. Die Probleme selbst sind nicht neu, heißt es intern, es geht etwa um die Entrauchung der Gepäckausgabehalle und die Funktionstüchtigkeit von Sprinkleranlagen. In der hektischen Phase Anfang 2012, als für den damaligen Eröffnungstermin 3. Juni in vielen Bereichen nur noch Not-, Behelfs- und Zwischenlösungen installiert wurden, sei vielfach auch ohne vorherige Baugenehmigung gearbeitet worden. Die Kommunikation der damaligen Planer mit der genehmigenden Baubehörde im Landkreis Dahme-Spreewald sei gestört gewesen; Amann sei angetreten, dies zu ändern.

Ob dies gelingt, darüber werde man sich in den nächsten Tagen, die die kommende Woche einschließen, „weiter Klarheit verschaffen“, sagte BER-Sprecher Kunkel.

Opposition ist weniger geduldig

Etwas überraschend wirkt das Ganze freilich deshalb, weil Amann selbst vor knapp zwei Wochen, nach der Aufsichtsratssitzung am 1. November mit dem Vorsitzenden Klaus Wowereit (SPD), in die Kameras gesagt hatte, dass der Termin 27. Oktober „steht“. Zu der Zeit kannte Amann zwar schon den hhp-Brief, im Aufsichtsrat sei die kritische Bewertung der Inbetriebnahme aber nicht angesprochen worden. Warum nicht, wenn das doch so ziemlich die heikelste aller Fragen ist? „Weil man noch nicht wusste, ob die Angaben in dem Brief relevant sind oder nicht“, sagte Berlins Senatssprecher Richard Meng am Montag. Dies zu prüfen, sei Amanns Aufgabe. Wowereit, der Aufsichtsratschef, habe dabei gewusst, „dass es den Brief gibt mit den kritischen Punkten – und dass der Amann dabei ist, sie abzuarbeiten.“ Man befinde sich, fügte Meng hinzu, in einem „laufenden Prüfprozess“, den es abzuwarten gelte.

Die Opposition in den Parlamenten von Berlin und Brandenburg und im Bundestag ist da weniger geduldig. Das kann nicht verwundern, schließlich bewilligte die rot-schwarze Mehrheit im Berliner Abgeordnetenhaus am vergangenen Donnerstag zusätzliche 444 Millionen Euro für erwartbare Kosten der Bauverzögerung und des Lärmschutzes. Der Grüne Andreas Otto, Mitglied im Berliner Flughafen-Untersuchungsausschuss, beschwerte sich, dass der Ingenieursbrief bislang mit keinem Wort erwähnt worden sei. Auch aus Brandenburg und dem Haushaltsausschuss des Bundestags kam Kritik.

Das Bundesministerium vertraut dagegen auf den bisherigen Zeitplan. „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass der gesetzte Eröffnungstermin gehalten wird“, sagte Sprecher Rudolph. Zunächst werde Amanns Analyse abgewartet, die schnellstmöglich vorliegen solle.