BER: Ex-Flughafenchef Karsten Mühlenfeld plädiert für Offenhaltung Tegels

Als Karsten Mühlenfeld noch Chef der Berliner Flughäfen war, lehnte er es ab, Tegel nach der Eröffnung des BER offen zu halten. Die Zahl der Passagiere in Berlin gebe es nicht her, zwei Flughäfen zu betreiben, sagte er. Doch seit dem vergangenen Jahr arbeitet Mühlenfeld als Technik-Chef bei der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair, die für den Weiterbetrieb ist – und sogar einen dritten Airport für die Region fordert.

Und so ist es wenig verwunderlich, dass er sich am Freitag im Untersuchungsausschuss BER dafür aussprach, Tegel am Netz zu lassen. „Die zwei Startbahnen am BER geben die Kapazität niemals her, die in Berlin nötig ist“, sagte Mühlenfeld. „Man braucht eine dritte Startbahn, und was bietet sich da mehr an, als eine Startbahn in Tegel offen zu halten?“

Tegel: Schließungsbeschluss ist rechtskräftig

Eigentlich ist das Thema durch. Die Uhr tickt. Spätestens sechs Monate nach der Eröffnung des BER in Schönefeld, die der neue Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup weiterhin auf Oktober 2020 terminiert, muss Tegel stillgelegt werden. Wahrscheinlich ist, dass er kurz nach der Inbetriebnahme des BER vom Netz geht. „Wir haben nicht die Leute, um zwei Flughäfen zu betreiben“, so Lütke Daldrup. Zwei Feuerwehren? Woher soll das Personal kommen?

Weiterhin gäbe es auch rechtliche Hindernisse. Der Schließungsbeschluss ist rechtskräftig. Zwar könnte der mit Brandenburg abgestimmte Landesentwicklungsplan Flughafenstandortentwicklung, der ebenfalls die Schließung Tegels vorsieht, gekündigt werden – aber frühestens zum Jahr 2022. Eine neue Landesplanung würde umfangreiche Untersuchungen erfordern, die zudem kaum zugunsten der Neueröffnung des innerstädtischen Airports ausfallen würden. Unrealistisch ist es auch anzunehmen, dass es dafür einen Planfeststellungsbeschluss geben wird.

Dessen ungeachtet sprach sich nach Lufthansa-Chef Carsten Spohr auch Karsten Mühlenfeld für den Weiterbetrieb aus. Im Untersuchungsausschuss BER widersprach er offiziellen Angaben, wonach Tegel für 1,1 Milliarden Euro saniert werden müsste. „Wenn man sich beschränkt auf den Ring und Terminal D, kann man das deutlich unter einer Milliarde Euro hinbekommen.“ Tegel werde weiter Gewinn abwerfen.

Eine dritte Bahn sei umso mehr geboten, weil in Berlin kleinere Flugzeuge eingesetzt würden. Damit wären mehr Starts und Landungen für die gleiche Passagierzahl nötig. Von den aktuellen Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen.wird das aber nicht gedeckt: Mit 117 beziehungsweise 119 Passagieren pro Flug lagen Berlin und München 2018 ungefähr gleichauf.

SPD kritisiert Mühlenfelds Meinungswechsel

Noch vor zwei Jahren habe Karsten Mühlenfeld in Ausschüssen des Abgeordnetenhauses bestätigt, dass am BER pro Jahr mindestens 60 Millionen Passagiere abgefertigt werden können, sagte der SPD-Politiker Jörg Stroedter. „Nun erklärt er, dass nur 40 Millionen Passagiere abgefertigt werden können. Es entsteht der Eindruck, dass sein Meinungswechsel mit seiner neuen Tätigkeit für Ryanair in Zusammenhang steht.“ Ryanair und Lufthansa führen die Debatte „aus rein wirtschaftlichen Gründen und auf dem Rücken von 300.000 betroffenen Anwohnern.“

2021 könnten am BER 45 Millionen Passagiere abgefertigt werden, bekräftigte der neue Flughafenchef Lütke Daldrup. Mit den letzten beiden kritischen Gewerken, der Brandmeldeanlagen und den Kabeln, gehe es voran, sagte er nach der Sitzung des Flughafen-Aufsichtsrats am Freitag. Während Lütke Daldrup im Frühsommer 2019 mit übergreifende Techniktests beginnen will, hält der TÜV weiterhin einen späteren Beginn für realistisch. Doch Lütke Daldrup bleibt dabei: Im Herbst 2019 soll die Fertigstellung des BER beim Bauordnngsamt angezeigt werden. (mit dpa)