So ein Stillstand kann ja sein Gutes haben, jedenfalls für eine Weile. Da auf der Baustelle kaum etwas läuft, gibt die Flughafengesellschaft für den BER derzeit weniger Geld aus als eingeplant: In diesem Jahr liege der Finanzbedarf bei 650 Millionen statt der veranschlagten 895 Millionen Euro, so Geschäftsführer Hartmut Mehdorn. Knapp ein Drittel davon wurde im Januar ausbezahlt. Bei den Kosten sei die Lage recht entspannt, heißt es seitens der drei Gesellschafter.

Doch das ist höchstens die halbe Wahrheit. Alle Beteiligten wissen, dass mit der Bau- und Startverzögerung notwendige Ausgaben nur in die Zukunft verschoben sind. Kein einziger Posten auf der Rechnung entfällt, im Gegenteil: Es kommen immer neue hinzu. So soll Mehdorn der Sonderkommission des Bundesverkehrsministeriums zum BER jüngst erklärt haben, jeder Monat Aufschub koste 30 bis 40 Millionen Euro, rund doppelt so viel wie bislang angenommen. Zu dieser Differenz und Details habe sich der Flughafenchef nicht geäußert, heißt es offiziell, die Zahlen seien nicht belastbar.

Renovierungen und Schallschutz

Die nötige Renovierung der bisherigen Airports in Tegel und Schönefeld etwa kostet einen zweistelligen Millionenbetrag. Überdies wird der Schallschutz für Anwohner des neuen Großflughafens deutlich teurer als kalkuliert. Ende April billigte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg ihnen praktisch absolute Ruhe zu und verwarf den Wunsch des Betreibers, es alle zwei Tage mal richtig krachen zu lassen am Himmel über Blankenfelde-Mahlow. Wahrscheinlich bekommen nun viele Anwohner statt isolierter Fenster eine Entschädigung ausbezahlt, deren Höhe sich nach dem Verkehrswert ihres Hauses bemisst. Den müssen Gutachter schätzen – ihre Branche dürfte neben Anwälten am meisten von den Problemen und Fehlplanungen am BER profitieren.

Es dürfte daher nur eine Frage der Zeit sein, bis die 1,2 Milliarden Euro Mehrkosten, die voriges Jahr errechnet und von Brüssel bewilligt wurden, nicht mehr reichen. Die Lasten infolge der verschobenen Eröffnung – damals auf Oktober 2013 – gab die Flughafengesellschaft im September mit gut 300 Millionen Euro an; das ist schon durch die nochmalige Verzögerung hinfällig. Für den Schallschutz standen in der Rechnung lediglich 305 Millionen Euro Mehrbedarf, tatsächlich könnte er doppelt so hoch liegen. Überschlägig ergeben sich Gesamtkosten um die fünf Milliarden Euro statt der bisher genannten 4,3 Milliarden – und schon die sind doppelt so viel wie ursprünglich angegeben.

Eine Abschlussrechnung aber werde allerfrühestens 2016 vorliegen, heißt es bei den staatlichen Gesellschaftern. Grund sind, neben den baulichen Unwägbarkeiten, erwartbare Schadenersatzansprüche von Fluglinien und Mietern im BER-Terminal sowie mögliche Regressforderungen: Der Aufsichtsrat will bei der Sondersitzung an diesem Mittwoch darüber sprechen, wer sich für Baupannen und -verzögerungen in Haftung nehmen ließe. Im Fokus steht vor allem der ehemalige Technikvorstand Manfred Körtgen, aber auch der im Januar geschasste Flughafenchef Rainer Schwarz. So oder so wird es etliche Prozesse geben, die sich über Jahre hinziehen.

Nur eines steht fest: Wer die Chose am Ende bezahlt. Da die Flughafengesellschaft samt BER dem Bund, Berlin und Brandenburg gehört, sind es die Bürger.