Berlin - Das trübe Wetter passte zu dem, was die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft FBB während der Aufsichtsratssitzung am Montag zur Finanzlage des Unternehmens ausführte. Im Vergleich zum Januar des vergangenen Jahres ist der Luftverkehr in Berlin mit täglich rund 7500 Passagieren auf einem Stand von knapp zehn Prozent angelangt, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Was die wirtschaftliche Entwicklung betrifft, befindet sich die FBB im Blindflug. Die Vorhersagen für die Abweichung von früheren Planvorgaben klaffen auseinander – zwischen 800 Millionen und 1,6 Milliarden Euro. Zumindest eines wurde am Montag immer deutlicher: Die Flughafengesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund müssen bald entscheiden, wie sie den Kollaps des BER-Betreibers verhindern wollen.

Ein Blick auf den Flugplan zeigt, wie prekär die Lage ist: Für diesen Dienstag sind am BER gerade mal 16 Starts geplant - davon, wie berichtet, kein einziger am Terminal T5, dem früheren Flughafen Schönefeld. Nichts von dem, was sich die Finanzplaner nach der Eröffnung des BER erhofft hatten, ist in der Coronakrise eingetreten. Stattdessen sind die Einnahmen dramatisch gesunken.

Zwar hat die FBB die Abfertigungsentgelte um 40 Prozent erhöht, es wird aber kaum noch geflogen. Am Montag hieß es, dass die Einnahmen aus dem Flugbetrieb um 80 bis 90 Prozent zurückgegangen seien. Mieteinnahmen und andere Non-Aviation-Erträge hätten weniger stark abgenommen – die Rede ist von einem Rückgang von 30 Prozent. Trotzdem fehlt das Geld, das die Gesundung der seit Jahren kränkelnden Flughafengesellschaft vorantreiben sollte.

Allein für 2021 werden weitere 660 Millionen Euro gebraucht

Das Unternehmen bemüht sich durchaus erfolgreich, den Schaden zu mindern. Personalabbau soll bis 2025 rund 100 Millionen Euro Einsparungen bringen. Wenn Terminal 5, wie erwartet, Ende Februar vom Netz geht, senkt das die Betriebskosten um 25 Millionen Euro pro Jahr. Dann könnte die FBB auch auf geplante Investitionen am früheren Schönefelder Flughafen verzichten. Spareffekt: 200 Millionen Euro. Aber dann könnte es vielleicht sein, dass doch schon erste Planungen für ein weiteres Terminal auf dem BER-Gelände starten müssten – für den Fall, dass es mit dem Luftverkehr wieder nach oben geht.

FBB-Chef Lütke Daldrup stellte den Aufsichtsräten drei Szenarien vor. Nach der optimistischen Variante werde der Luftverkehr in Berlin 2023 ans Niveau von 2019 anschließen, als es mehr als 35 Millionen Fluggäste gab. Die Pessimisten gehen von 2027. Lütke Daldrup rechnet mit 2025. Sollte diese Prognose zutreffen, würden in den Jahren 2021 bis 2025 insgesamt rund 83 Millionen Passagiere weniger als ursprünglich angenommen ab dem BER fliegen, hieß es. Damit einher gehen erhebliche wirtschaftliche Verluste.

„Mehr als ein Dutzend Unwägbarkeiten gibt es“, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Klar sei, dass das Unternehmen allein für dieses Jahr mindestens 660 Millionen Euro zusätzlich benötigt. Die Gesellschafter haben bereits ein Darlehen von 108 Millionen Euro genehmigt. Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung im März müssen Berlin, Brandenburg und der Bund weitere Finanzentscheidungen treffen – auch für 2022. Ein Aufsichtsratsmitglied: „Ohne dass die Gesellschafter einen Teil der milliardenschweren FBB-Schulden übernehmen, wird es nicht gehen.“