Sonnenaufgang über dem Tower des BER.
Foto: dpa/Patrick Pleul

SchönefeldHeimlich, still und leise hat Anfang Januar eine weitere Phase auf dem Weg zur Eröffnung des Flughafens BER in Schönefeld begonnen. In Vorbereitung des Probebetriebs, der im April starten soll, machen sich Beschäftigte der Flughafengesellschaft FBB und deren Partner mit den Anlagen vertraut. Schilder, die seit Kurzem am Bahnhof Flughafen Schönefeld stehen, leiten sie zu den Bussen, die sie zum BER fahren.

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„Wir sind in den Schulungsprozess eingestiegen“, bestätigte FBB-Chef Engelbert Lütke Daldrup am Montagabend beim ersten Wirtschaftsgespräch am neuen Flughafen, zu dem mehr als 130 Teilnehmer zum Willy-Brandt-Platz am BER gekommen waren. Dort ging es darum, wie viele Arbeitsplätze der Flughafen schaffen und sichern wird. Zwei Wirtschaftswissenschaftler aus Leipzig stellten die Ergebnisse ihrer Studie zu diesem Thema vor.

2035 soll es bis zu 70.000 Arbeitsplätze am BER geben

Derzeit sichere der Luftverkehr in Tegel und Schönefeld insgesamt rund 40.000 Vollzeitarbeitsplätze, sagte Thomas Lehr vom Beratungsunternehmen Conoscope. Davon befinden sich 18.000 auf den Flughäfen. Für 2035, wenn der BER anderthalb Jahrzehnte in Betrieb ist, sei mit insgesamt 60.000 bis 70.000 Arbeitsplätzen zu rechnen. Die Zahl der direkten Vollzeitstellen werde sich mehr als verdoppelt haben - auf 38.400.

Er wies darauf hin, dass diese Zahl konservativ geschätzt sei. „Es wird spannend sein zu sehen, wie sie sich tatsächlich entwickelt“, sagte Lehr. Er erwarte einen „Niveausprung“. Anders als im jetzigen Flughafensystem gebe es am BER viel Raum für Wachstum

München und andere Beispiele zeigten, dass Flughafenregionen ein „Magnet für Hochqualifizierte“ seien, sagte Lehrs Ko-Autor Oliver Rottmann, Professor an der Universität Leipzig. Das fördere Innovationen in der regionalen Wirtschaft. Für international tätige Unternehmen sei die Nähe zu einem Flughafen zudem ein wichtiger Standortfaktor.

Lütke Daldrup: „Wir haben fast alles fertig“

„Wir sind uns klar: Die Entwicklung, von der wir hier sprechen, ist davon abhängig, dass der BER tatsächlich aufmacht“, sagte der Flughafenchef. Doch er sei zuversichtlich, dass der Flugbetrieb am 31. Oktober 2020 beginnt. „Wir haben fast alles fertig, und zwar richtig fertig“, betonte Lütke Daldrup. Nur zwei Themen seien übrig geblieben: Für die Sicherheitskabel und die Sicherheitsstromversorgung müssten die Prüfung im März 2020 abgeschlossen werden. Auch bei den Dübeln, für die Bescheinigungen einzuholen sind, seien Fortschritte zu verzeichnen.

Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, mahnte den baldigen Ausbau der Abfertigungskapazität an. „Der BER ist zu klein geplant, das kann nicht so bleiben.“ Er warnte den Berliner Senat und die Brandenburger Landesregierung davor, die nächtliche Ruhezeit am BER auszuweiten. Sicher war es eine „Eselei“, den Flughafen stadtnah zu bauen, so Eder. Doch jede weitere Einschränkung der Betriebszeiten bedeute, dass der BER insbesondere für Interkontinentalverbindungen unattraktiv wird. „Eigentlich“, so der Wirtschaftsvertreter, „bräuchten wir eine 24-Stunden-Betrieb am BER.“