Die entscheidende Frage kam kurz vor Schluss der Pressekonferenz. Wie läuft er eigentlich, der große Techniktest am BER?

Der Flughafenchef sah so aus, als könne er es nicht erwarten, darauf zu antworten. Engelbert Lütke Daldrup zog die Mundwinkel nach oben und hob das Mikrofon, um ohne Verzögerung sofort hineinsprechen zu können. „Der TÜV ist mit den ersten zweieinhalb Prüftagen zufrieden“, lautete seine Botschaft.

Operative Technikprüfungen am BER sind im Gange

Nachdem das Projekt BER so lange Negativ-Schlagzeilen produziert hat, genießt es Lütke Daldrup sichtlich, positive Neuigkeiten vermelden zu können. So war es auch am Montag nach der außerordentlichen Sitzung des Flughafen-Aufsichtsrats in Tegel.

Es geht um einen Begriff, der 99 Prozent aller Berliner noch ziemlich fremd vorkommen, aber schon bald einem größeren Publikum bekannt sein dürfte: „Wirk-Prinzip-Prüfung“. Dabei handelt es sich um einen umfangreichen Techniktest, bei dem untersucht wird, ob alle zwölf Anlagengruppen im Terminal T1 im Verbund funktionieren. Bislang wurden die Anlagen einzeln geprüft, nun müssen sie sich im Zusammenspiel bewähren.

Wie berichtet haben die operativen Technikprüfungen am Donnerstag vergangener Woche begonnen. Am Montag ließ sich der Aufsichtsrat im 1970er-Jahre Ambiente des Tegeler FBB-Verwaltungsgebäudes darüber informieren. Die Sitzung dauerte knapp zwei Stunden.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup ist zufrieden

„Der Beginn der Wirk-Prinzip-Prüfung ist ein zentraler Meilenstein auf dem Weg zur Inbetriebnahme“, sagte Lütke Daldrup im Anschluss. „Die Baufertigstellung der brandschutzrelevanten Anlagen war über Jahre das bestimmende Thema in unseren Sitzungen. Dass der TÜV Rheinland nach der Prüfung aller einzelnen Anlagen jetzt die übergreifende Wirk-Prinzip-Prüfung begonnen hat, ist im Aufsichtsrat sehr begrüßt worden.“

Ursprünglich sollte es vor Monaten losgehen, gestand der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Bretschneider ein. „Umso mehr freuen wir uns, das der aktuelle Termin gehalten werden konnte.“

Die ersten Brandschutz-Szenarien seien durchgespielt worden, so Lütke Daldrup. Alle möglichen Situationen werden nun durchgetestet, hatte er im Interview mit der Berliner Zeitung erläutert. „Das kann so aussehen, dass künstlich Rauch oder Hitze erzeugt oder ein Stromausfall simuliert wird. Dann kommt es darauf an: Springen die Generatoren an? Wird der Rauch richtig abgeleitet?“

Die Tests im zentralen Empfangsgebäude sollen 41 Arbeitstage in Anspruch nehmen. Es liegt also noch eine lange Strecke vor den Prüfern des TÜV Rheinland, die dafür verantwortlich sind. Der Oktober 2019, sagt Lütke Daldrup, soll dann der schriftlichen Dokumentation der Ergebnisse gelten. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte er. „Wir sind da, so wie wir uns vorgenommen hatten, im Sommer 2019 zu sein.“

Wichtige Etappenziele wurden erreicht - darunter die Brandmelde- und Alarmierungsanlagen im Terminal 1

Im Aufsichtsrat hätten sich auch die Vertreter des Bundes nicht negativ zur Wort gemeldet. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der sich noch vor wenigen Wochen skeptisch über den Baufortschritt geäußert hatte, sei brieflich über den Prüfbeginn informiert worden, sagte der Flughafenchef.

In der Tat wurden wichtige Etappenziele erreicht: Am 23. Juli wurde die Anlagengruppe 05 final geprüft, die Brandmelde- und Alarmierungsanlagen im Terminal T1 umfasst. Davor wurden die Sicherheitsstromversorgung und Sicherheitsbeleuchtung im zentralen Empfangsgebäude des künftigen Hauptstadt-Flughafens fertig. Dort ging es vor allem um die Kabeltrassen, die falsch bestückt worden waren.

Obwohl sie angeblich schon einmal saniert worden waren, entdeckten die Fachleute trotzdem noch viele Schwachstromkabel, die neben Starkstromleitungen lagen, oder auch Kabeltrassen, die mit zu vielen Litzen bestückt worden waren.

Der nächste große Schritt für den BER ist „Operational Readiness and Airport Transfer“ 

Zwar ist die Kabellage weiterhin nicht vollständig fertiggestellt. Es bleiben noch viele kleinteilige Mängel, aber auch sie sollen in den nächsten Monaten abgearbeitet werden. Drei Viertel sind schon behoben, sagte Lütke Daldrup. Doch die Abschnitte, die für die Wirk-Prinzip-Prüfung fertig sein müssen, stehen nun zur Verfügung.

So geht es nun weiter: Im Oktober will die FBB die wesentlichen Teile der Baufertigstellungsanzeige beim Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald einreichen. Die Behörde hat schon jetzt mit den ersten Begehungen begonnen.

Lütke Daldrup sagte: „Der nächste große Schritt wird dann ORAT sein“. Noch solch ein Begriff, an den sich interessierte Berliner gewöhnen werden. Beim Thema „Operational Readiness and Airport Transfer“ geht es um die Generalprobe für den Flughafenbetrieb.

Vor der Eröffnung werden Komparsen für Inszenierung von Alltagssituationen am Flughafen gebraucht

Eine wichtige Rolle werden Komparsen spielen, mit denen im Sommer 2020 alltägliche Situationen inszeniert werden – mit Koffern oder ohne. Ein paar Monate noch, dann können sich Freiwillige, die den BER noch vor der Eröffnung ausprobieren wollen, bei der Flughafengesellschaft melden. „Ende 2019 werden dort Bewerbungen entgegen genommen“, sagte Flughafensprecher Hannes Hönemann. „Wir brauchen rund 20.000 Komparsen. Es ist ja auch ein großer Flughafen.“

Während sich Lütke Daldrup bislang oft sehr vorsichtig geäußert hatte, ob der Flughafen BER tatsächlich im Oktober 2020 öffnet, äußerte er sich am Montag bestimmter. „Seit Dezember 2017 sage ich das, und ich bleibe dabei.“

Wie berichtet soll der Umzug von Tegel zum BER zwei bis drei Wochen dauern. „Dann wird der gesamte kommerzielle Flugverkehr am BER stattfinden“, so der Flughafenchef.

Doch sicher ist sicher: Nach dem Umzug bleibt der Flughafen Tegel noch ein halbes Jahr betriebsbereit, sagte er. „Es ist vertraglich so geregelt, dass dort theoretisch weiter geflogen werden kann.“