BER: Flughafen-Skandal: Flughafengegner geben ihr letztes Hemd

Einige Wochen lang hat es keine Großdemonstrationen gegen den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) gegeben. Jetzt setzen die Gegner ihre Proteste fort – und tragen ihre Aktion ins Berliner Stadtzentrum, vor den Dienstsitz des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD).

Für den kommenden Sonntag rufen Bürgerinitiativen zu einer Großkundgebung um 15 Uhr am Neptunbrunnen auf. Außerdem soll am Roten Rathaus eine Mahnwache beginnen. Die Initiatoren fordern Klaus Wowereit und den brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck auf zurückzutreten, weil sie für das „BER-Desaster“ verantwortlich sind.

Das Flughafenprojekt sei ein „Lügengebäude, errichtet aus Inkompetenz, Ignoranz, Größenwahn und sachfremden Entscheidungen der politisch Verantwortlichen in Brandenburg und Berlin“, heißt es in dem Aufruf, der unter anderem vom Bürgerverein Brandenburg-Berlin, dem Bündnis Südost und der Friedrichshagener Bürgerinitiative unterzeichnet worden ist. Schönefeld sei als Standort ungeeignet. Anfängliche Ankündigungen, dass sich das Großprojekt privatisieren lässt, hätten sich ebenso als falsch erwiesen wie bisher alle Angaben zu den Investitionskosten, so die Initiativen.

Für die Dauer-Mahnwache sind fünf Standorte rund um das Rote Rathaus polizeilich angemeldet worden. Die Initiatoren rufen die Bürger auf, dort ihr „letztes Hemd“ abzugeben, um gegen die zu erwartenden erneuten Kostensteigerungen zu protestieren. Diese Hemden sollen während der Abschlussveranstaltung, die derzeit für den 12. Juni um 18 Uhr geplant ist, an einem um das Rathaus gespannten Seil aufgehängt werden.

Zur selben Zeit beginnt das Hoffest des Regierenden Bürgermeisters, zu dem rund 2 000 Gäste erwartet werden. Die Friedrichshainer Bürgerinitiative bittet darum, sich zur Teilnahme an der Mahnwache verbindlich anzumelden. Nähere Informationen gibt es an diesem Donnerstag ab 20 Uhr in der Bölschestraße 44 in Friedrichshagen.

Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) hat die Planung des neuen Hauptstadtflughafens kritisiert. Es seien zu viele Fehler gemacht worden, sagte Diepgen am Mittwoch im RBB-Inforadio. „Es ist in allen Punkten auf höchstes Risiko gespielt worden: Im Hinblick auf die Kostenentwicklung, und man hat an den falschen Stellen gespart.“ Auch der Aufsichtsrat habe zu wenig Gespür gehabt, sagte Diepgen. „Jedes Aufsichtsratsmitglied hat die Verpflichtung, sich nicht nur auf die Informationen der Geschäftsführung zu verlassen, sondern quer zu fragen.“

Nach der auf den 17. März 2013 verschobenen Eröffnung des Flughafens stehen vor allem Klaus Wowereit als Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft und Matthias Platzeck als Mitglied des Gremiums in der Kritik. (mit dapd)