Auf das Dach des BER werden die Tester nicht gelangen. Doch sie bekommen die Gelegenheit, den Flughafen schon vor dem Betriebsstart zu erleben. 
Berliner Zeitung/ Markus Wächter

Berlin/ Schönefeld"Auf die Plätze, fertig": Unter diesem Motto steht die jüngste Internetseite der Flughafengesellschaft FBB, die seit Sonntag unter der Adresse www.ber-testen.de im Netz zu finden ist. Wer in diesem kommenden Jahr als einer von 20.000 Komparsen an der großen Generalprobe auf dem neuen Flughafen südöstlich von Berlin bewerben will, ist dort richtig. Ab Montag werden dort Anmeldungen entgegen genommen. 

"Sie lieben Flughäfen oder sind einfach neugierig?", heißt es auf der Seite. "Dann helfen Sie uns, den BER vor seiner Eröffnung zu testen. Egal, ob Sie noch nie geflogen sind, nur in den Ferien in den Urlaub starten oder mehrmals im Monat fliegen – wir freuen uns, wenn Sie die Prozesse am Flughafen Berlin Brandenburg auf die Probe stellen." Auch wer eine Behinderung hat, kann sich selbstverständlich als Freiwilliger bewerben, hieß es. Allerdings müssten sich diese Interessenten telefonisch unter der Berliner Telefonnummer 6091-70999 oder per Mail unter probebetrieb@berlin-airport.de melden.

Ausnahmslos alle Flughafentester mindestens 18 Jahre alt sein, das sei eine Bedingung der Versicherungen, hieß es. Auf jeden Fall sei die Teilnahme am Probebetrieb eine einzigartige Chance, den neuen Schönefelder Flughafen schon vor der Eröffnung zu erleben, so die FBB. Allen anderen Bürgern wird der BER erst am 31. Oktober geöffnet. Dann soll dort wie berichtet erstmals ein Flugzeug starten.

Jeder BER-Tester muss vier bis fünf Kilometer laufen

Die Tests mit den Komparsen finden ab Ende Juni an 30 Tagen statt, sagte FBB-Sprecher Hannes Hönemann am Sonntag. Außerhalb dieser Testreihe findet bereits am 29. April zwischen 8 und 16 Uhr ein besonderer Probelauf statt, an dem ebenfalls interessierte Bürger teilnehmen dürfen. Dann wird die Räumung des Bahnhofs, der sich unterm Terminal T1 befindet, und der darüberliegenden Etage geprobt.

Ein typischer Probebetriebstag wird mit der Anreise zum BER beginnen, die bis 9.30 Uhr stattfinden muss. Entweder fahren die Teilnehmer mit öffentlichen Verkehrsmittel (zum Beispiel mit dem Regionalzug oder der S-Bahn zum Bahnhof Flughafen Schönefeld, von dort aus weiter mit dem Bus), oder sie kommen im Auto und parken kostenfrei im Parkhaus P7 am neuen Flughafen.

Nach der Eröffnung wird es per Nahverkehr übrigens erheblich schneller zum BER gehen als noch während des Probebetriebs. So wird zum Beispiel eine Regionalzugfahrt vom BER zum Ostkreuz je nach Linie nur 16 oder 19 Minuten dauern. Doch die neuen Schienenverkehrslinien, die direkt zum S-, Fern- und Regionalbahnhof unterm BER führen, gehen erst im Herbst in Betrieb.

Bei der Registrierung in der Ankunftsebene des BER werden die Teilnahmebestätigung sowie der Personalausweis oder der Reisepass geprüft, heißt es zum weiteren Ablauf. Außer einem gültigen Personaldokument müssten die Statisten auch bequemes Schuhwerk mitbringen - "da je nach Szenario mit erheblichen Laufwegen zu rechnen ist", wie es auf der Internetseite heißt. Schließlich wird jeder Tester vier bis fünf Kilometer zu Fuß zurücklegen müssen. Bei der Registrierung haben die Komparsen erstmals auch die Möglichkeit, sich kostenlos mit Kaffee, Tee, Wasser sowie Saft zu versorgen. Weitere Getränkestationen gibt es dann im Terminal.

Lunchpaket, Getränke - aber kein Geld

Am Empfang erhalten die BER-Tester zudem ihr Lunchpaket, das aus einem belegten Sandwich, einen Apfel sowie zwei Schoko- oder Müsliriegeln besteht - es ist ebenfalls gratis. Kalkuliert wird damit, dass während des gesamten Probebetriebs insgesamt 54.315 Äpfel verzehrt und 32.589 Liter Kaffee ausgegeben werden. Eine Bezahlung gibt es allerdings nicht, die Freiwilligen testen den BER ehrenamtlich.

Die Gepäckstücke, mit denen die Komparsen im neuen Flughafen unterwegs sein werden, werden bei der Einweisung, der nächsten Station am Empfang, übergeben. An jedem Probetriebstag werden 7950 Koffer und Taschen im Einsatz sein, rechnet die FBB vor.

Hier entlang zum Gate: Die Flughafen-Tester werden auch durch die Empfangshalle gehen. 
dpa/ Patrick Pleul

Meist werde zunächst ein Abflug getestet, dann eine Ankunft, hieß es. "Flugzeuge werden zum Probebetrieb allerdings nicht eingesetzt", so die FBB. "Stattdessen steigen Sie in Busse, die Sie zu Ihrem Ankunftsgate befördern."

Am frühen Nachmittag können weitere Tests folgen, zum Beispiel das Umsteigen von einem Flug auf den anderen. Um 15.30 Uhr ist Feierabend. Es werde aber auch Nachtprobebetrieb geben, der gesondert angekündigt wird - ebenfalls auf der neuen Internetseite.

BER-Probebetrieb: Jeder darf nur zwei Mal dabei sein

Übrigens: Alkohol ist verboten, Rauchen dagegen an den vorgesehenen Stellen erlaubt. Und damit jeder mal an die Reihe kommt, darf jeder nur zwei Mal mitmachen. Wer beim ersten Probebetrieb am BER dabei war, kann selbstverständlich wieder teilnehmen. "Seit 2012 hat sich am BER nochmals einiges verändert. Wir würden uns freuen, Sie erneut bei uns begrüßen zu dürfen", so FBB.

Damals waren im neuen Schönefelder Flughafen mehr als zehntausend Tester dabei. Allerdings hatten damals einige Zweifel daran, ob der BER wirklich schon fertig war. Am 8. Mai 2012 wurden diese Zweifel bestätigt: Die damals für den 3. Juni 2012 geplante Eröffnung des Flughafens musste abgesagt werden. Sie wäre zu einem Desaster geworden.  

"Während des Probebetriebs werden sämtliche Prozesse aus dem realen Flughafenbetrieb geprobt und getestet", so die Flughafengesellschaft. "Das beinhaltet den Alltagsbetrieb mit Check-in von Passagieren und Gepäck über die Sicherheitskontrolle bis zum Boarding. Aber auch Sonderfälle werden geprobt. Dazu zählen beispielsweise die Evakuierung von Terminalbereichen oder auch Verfahren bei Ausfällen von Systemen."

"Wir sind gespannt, wie groß der Andrang auf unsere Anmeldeseite sein wird", sagte Flughafensprecher Hönemann am Sonntag. Bei den unternehmensinternen Wetten gebe es unterschiedliche Erwartungen. Sie reichen von einem Andrang wie vor Helene-Fischer-Konzerten bis hin zu einer mäßigen Nachfrage wie nach medizinischen Vorsorgeuntersuchungen.