Berlin - Ein simples „Nö!“ Die Antwort hätte auch von Rainer Schwarz kommen können. „Nö!“ sagte der Sprecher des Berliner Flughafenchefs am Montag auf die Frage, ob sein oberster Vorgesetzter zurücktreten wird. „Nö!“ Das ist die Kurzform von „Nein“. So antwortet jemand, der selbstbewusst auf dem Posten bleiben und nicht klein beigeben möchte.

Andere Manager, die aus nicht so hartem Holz geschnitzt sind, hätten längst hingeworfen, wenn sie zum wiederholten Mal so hart angegangenen worden wären wie Schwarz. Doch der will sich nicht vertreiben lassen. Es war nicht das erste Mal, dass der Bund gegen den Sprecher der Geschäftsführung der staatlichen Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) Stellung bezogen hat.

„Mieses Spiel“

Doch noch nie wurde Verkehrsminister Peter Ramsauer in aller Öffentlichkeit so deutlich wie am Sonntag, als er in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ vor einer winterlichen Kulisse vor die Kamera trat. „Wenn es nach dem Bundesverkehrsminister allein ginge, wäre der Geschäftsführer der Gesellschaft längst weg“, so der CSU-Politiker. Zumal es ernstzunehmende Hinweise gebe, dass der Flughafen BER auch am 27. Oktober 2013 nicht eröffnet werden kann. Am Montag legte der Bund nach. „Wann immer wir Herrn Schwarz befragen, ob zu den Finanzen oder zum Baufortschritt, duckt er sich weg. Der Kapitän hat das Steuer nicht mehr im Griff. Stattdessen verweist er auf die Bootsmänner.“

Wie Rainer Schwarz auf Ramsauers Auftritt reagierte, ist nicht überliefert. Vielleicht in gewohnter Weise: gar nicht oder mit einer distanzierten Bemerkung. Der Diplom-Kaufmann, der an der Freien Universität Berlin studiert hat und mit seiner Familie in Potsdam lebt, ist nicht dafür bekannt, sich Blößen zu geben. In brenzligen Situationen tritt er nur dann demütig auf, wenn dies mit Nachdruck von seinen politischen Oberen gefordert wird. Seinem Naturell entspricht es eher, mal bissig, mal ironisch zu reagieren – oder zum Angriff überzugehen. Dazu passt seine Außenwirkung: Der 56-Jährige ist schlank und er wirkt durchtrainiert, stets bereit zum Sprung. „Er ist ein Profi. Mein Respekt“, sagt jemand, der ihn gut kennt.

„Leichen im Keller“

Es gibt aber noch andere Hypothesen, warum Schwarz so gelassen bleibt. So ist klar, dass der Bund die FBB und das größte Verkehrsprojekt Ostdeutschlands nicht fallen lassen kann. In der Potsdamer Landesregierung bezeichnet man die Vorwürfe aus dem Hause Ramsauer denn auch als „mieses Spiel“, das Kritiker in der CDU-FDP-Koalition beeindrucken soll – damit sie im Haushaltsausschuss frisches Geld freigeben.

Dazu passt, dass der Bund die heftigste Kritik meist öffentlich äußert, im Aufsichtsrat ist er meist moderater. Eine weitere Erklärung: Noch stehen die anderen FBB-Gesellschafter, Berlin und Brandenburg, zumindest öffentlich zu Schwarz. Gemunkelt wird, dass da „Leichen im Keller“ liegen, dass das Schicksal des Flughafen-Chefs mit dem des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) verbunden ist, der ihn Ende 2005 hierher geholt hat.

„Angeblich haben Herr Schwarz und der damalige Technik-Chef Körtgen Herrn Wowereit im März 2012 mitgeteilt, dass sich der Eröffnungstermin 3. Juni nicht halten ließe. Der Regierende soll die beiden ’rausgeworfen haben“, hieß es. Offiziell ist dazu nichts zu erfahren. Stattdessen heißt es: Schwarz habe nicht nur in München, Nürnberg und Düsseldorf gezeigt, dass er Flughäfen profitabler machen kann, er habe auch Berlins Airports wirtschaftlich nach vorn gebracht.

Schwarz wurde kreidebleich

Doch der Flughafen-Chef ist sich bewusst, dass seine Fürsprecher im Senat und in Potsdam nicht unter allen Umständen ihre schützenden Hände über ihn halten können. Auf Drängen des Bundes untersuchen nun Juristen und Wirtschaftsprüfer, wer für das BER-Debakel verantwortlich ist und dafür in Haftung genommen werden kann. Je nachdem, zu welchem Fazit sie kommen, könnte die Expertise, die im ersten Vierteljahr 2013 vorliegen soll, Schwarz gefährlich werden. „Wir warten ab, was in dem Bericht steht. Es gibt keine Solidarität um jeden Preis“, teilte ein Insider mit.

Ein Aufsichtsratsmitglied berichtete, was geschah, als das Gremium am 1. November den Beschluss fasste, die Prüfung in Auftrag zu geben: „Der Flughafen-Chef ist kreidebleich geworden.“