Berlin - Nachdem die Eröffnung erneut verschoben werden muss- te, werden jetzt Mehrkosten in Höhe von „1,x Milliarden Euro“ erwartet, heißt es in Kreisen des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft FBB. Nach ersten Kalkulationen könnten sich allein die Zusatzkosten für den Bau, entgangene Einnahmen und Ausgaben für den Schallschutz auf bis zu 1,1 Milliarden Euro belaufen. Hinzu kommen mögliche, noch unbezifferte Schadenersatzzahlungen.

Als Konsequenz aus den Risiken wollen die Gesellschafter FBB-Chef Rainer Schwarz die Entlastung vorerst verweigern. Die FBB hat jüngst ihren Bericht für 2011 vorgelegt. Danach wäre es üblich, dass dem Management das Vertrauen ausgesprochen wird. Doch eine Entlastung komme derzeit „auf keinen Fall“ infrage, erfuhr die Berliner Zeitung aus Kreisen der Anteilseigner. Die Flughafengesellschaft gehört zu je 37 Prozent Berlin und Brandenburg, der Bund hält 26 Prozent.
Dass die Gesellschafter an diesem Freitag erstmals von der Regel abweichen, wird mit Schwarz’ Auftreten sowie mit den Kosten- und Terminrisiken des Projekts begründet. Das Ausmaß der Probleme und des finanziellen Schadens sei noch unklar, heißt es. Zudem wachsen die Zweifel, ob Schwarz der geeignete Mann ist, die Probleme zu bewältigen. Ihm werden fehlende Transparenz und ein allzu demonstrativer Optimismus sogar noch nach der erneuten Verschiebung des Starttermins vorgeworfen.

Die Entlastung wird auch deshalb vertagt, weil sie Schwarz davon freistellen würde, Adressat von möglichen Schadenersatzansprüchen zu werden. Einen offenen Konflikt wollen die Gesellschafter zunächst vermeiden. Allerdings behalten sie sich vor, Schwarz abzulösen. Nachdem der Eröffnungstermin vom 3. Juni 2012 auf den 17. März 2013 verschoben wurde, musste bisher nur der Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen gehen. Zu seinem Nachfolger wird an diesem Freitag der Chefplaner des Frankfurter Flughafens, Horst Amann, bestellt.

Zuvor spricht der Aufsichtsrat über technische Fragen und Kosten. Ob auch über eine erneute Verschiebung der Flughafen-Eröffnung beraten wird, ist ungewiss. Der Landkreis Dahme-Spreewald bezweifelt, dass sich der Termin halten lässt. „Spekulationen wird es lange geben. Das wissen wir“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). „Die Glaubwürdigkeit ist beschädigt.“ (mit dpa)