Es hat einige Monate gedauert, doch jetzt hat es Flughafenchef Hartmut Mehdorn geschafft. Am Montag billigte der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft einstimmig seinen Plan, dem BER eine weitere Finanzspritze zu spendieren – diesmal mehr als 1,1 Milliarden Euro. Dadurch steigen die Kosten des Projekts zunächst auf 5,4 Milliarden Euro. Allerdings wird das noch nicht die Endsumme sein. Denn in seiner jetzigen Form wäre der neue Schönefelder Flughafen schon bei der Eröffnung, die sich weiterhin für 2016 abzeichnet, zu klein. Darum sollen Gutachter ausloten, wie die Kapazität rasch erweitert werden könnte.

Bereits im April sollte der Aufsichtsrat grünes Licht geben, denn das Geld reicht nur bis Anfang des kommenden Jahres. Doch vor allem Politiker aus dem Land Brandenburg, das neben Berlin und dem Bund der dritte Gesellschafter des Flughafens ist, zögerten. Schließlich ist Wahljahr, und da wollte man zeigen, dass die Landesregierung das Pannenprojekt strenger kontrolliert als früher. Am Montag gegen 19 Uhr, die Sitzung des Aufsichtsrats war zu Ende, schlug Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider andere Töne an: „Es war eine intensive Diskussion, am Ende konnte uns Herr Mehdorn überzeugen.“

Als das Projekt BER begann, sollte es rund zwei Milliarden Euro kosten. Doch seitdem sei es viel größer geworden, sagte Mehdorn. „Mehr Flughafen kostet mehr Geld und dauert länger.“ Das Südpier und eine Zwischenebene kamen hinzu, die Grundfläche im Terminal wuchs von 220.000 auf 340.000 Quadratmeter. Zwei Pavillons entstanden, Vorfelder und Rollwege wurden größer.

Airport von Anfang an zu klein

Jetzt brauche der BER weiteres Geld, weil klar sei, dass am Ende fast 400 weitere Posten in der Abrechnung stehen werden. So treibe der Umbau der Entrauchungsanlage die Kosten in die Höhe, knapp 300 Millionen Euro müssten für die Umsetzung des Schallschutzprogramms zusätzlich auf die Seite gelegt werden, und eine ähnliche Summe sei als Risikovorsorge nötig. Damit nicht genug: Waren die Mehrkosten bisher auf 1,049 Milliarden Euro beziffert worden, nahm der Aufsichtsrat zwei weitere Posten zur Kenntnis. 14 Millionen Euro sind für die Erneuerung der Rollwege vorgesehen. 44 Millionen Euro kostet die Sanierung der nördlichen Start- und Landebahn, die im zweiten Quartal 2015 beginnt. Bis dahin sollen auch alle betroffenen Anwohner Schallschutz haben – so versprach es jedenfalls Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Mehdorn sagte etwas anderes zu: Mit der Milliarden-Finanzspritze, der die Europäische Union noch zustimmen muss, soll der BER nun bis Ende 2015 oder Anfang 2016 fertig gebaut werden. Das heiße aber nicht, dass er gleich danach in Betrieb gehen kann: „Das ist noch kein Termin, das ist einfach eine Planungsannahme.“ Das streng geheime Eröffnungsdatum will Mehdorn zum Jahresende nennen – zuvor hatte er diesen Termin allerdings schon mehrmals verschoben.

Der Aufsichtsrat gab am Montag weitere fünf Millionen Euro frei. Gutachter sollen bis September ermitteln, wie die drohenden Engpässe am BER vermieden werden können. Organisatorische Abläufe könnten verbessert werden, sagte Mehdorn, oder es gebe auf dem Gelände „kleinere Baumaßnahmen“. Vielleicht könnten Parkhausetagen für die Passagierabfertigung umgewidmet werden, so Bretschneider.

Die Gutachter sollen auch klären, was geschehen müsste, damit der heutige Schönefelder Flughafen als Terminal 2 des BER weiter betrieben werden kann. Der Bund ist skeptisch, weil dort das Regierungsterminal entstehen soll. „Wir wollen mit ihm eine Lösung finden. Auch er hat ein Interesse daran, dass die Kapazität erweitert wird“, so Wowereit. Wie viel Geld das alles kosten wird, sei noch nicht absehbar. Laut Business-Plan sind bis 2035 weitere Ausgaben von fast 780 Millionen Euro nötig, hieß es am Montag intern.

Laut Mehdorn steigt die Zahl der Fluggäste in Berlin unaufhaltsam. Für 2014 wird mit rund 27,3 Millionen Passagieren gerechnet. Der BER ist nur für 27 Millionen ausgelegt.