Berlin - Flughafen-Chef Rainer Schwarz hat schon ruhigere Tage verlebt. Am Sonntagvormittag wollen Fluglärmgegner sein Haus im Potsdam-Babelsberg mit 85 Dezibel lautem Turbinenkrach beschallen. Immer lauter werden die Zweifel, dass auch der dritte angekündigte Termin für die Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg (BER), der 17. März 2013, nicht gehalten werden kann. Das ist auch der Grund, weshalb unüberhörbar die Ablösung von Schwarz verlangt wird. „Meine Einschätzung ist, dass Herr Schwarz in der nächsten oder übernächsten Woche seinen Chefposten verliert“, so ein Insider. Doch im Senat und in der Brandenburger Landesregierung winkt man ab.

Die nächsten beiden Wochen: Das ist die Zeitspanne, in der Horst Amann, der neue Flughafen-Geschäftsführer für Technik und Betrieb, den endgültigen Eröffnungstermin mitteilen will. Bleibt es beim März? Oder muss die Inbetriebnahme erneut verschoben werden: auf Mai oder August 2013, Ende Oktober 2013 oder gar 2014? Falls dies eintritt, dürfte der Chef-Stuhl gewaltig wackeln. Die Grünen fordern bereits die Ablösung von Schwarz.

Mal arrogant, mal aggressiv

Auch der Bund zeigt sich unzufrieden. Zuletzt nahm man dort verwundert zur Kenntnis, dass sich der 55-Jährige Ende Juli für einige Tage in den Urlaub verabschiedete – obwohl beim BER eigentlich Daueralarm und Anwesenheitspflicht bestünde. Auch sonst sei das Krisenmanagement schlecht. Sowohl Termin-, als auch Kosten- und Bauplanungen seien dem Schwarz-Team „komplett entglitten“. Noch kurz bevor Schwarz am 8. Mai endlich öffentlich eingestand, dass sich der damalige Termin 3. Juni 2012 nicht mehr halten lässt, sagte er auf Anfrage stets nur: alles in Ordnung!

Schwarz kann Zweifel für sich behalten und Zweifler mal arrogant, mal aggressiv in die Schranken weisen. Darin gleicht er Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der ihn 2005 vom Chefposten in Düsseldorf weggeholt hat. Beide sind in einer Schicksalsgemeinschaft miteinander verbunden. Beiden lagen bereits Monate vorher Informationen vor, wonach der Juni-Termin arg wackelte. Bislang jedenfalls äußerte der Senatschef keine Zweifel an Schwarz – dafür hielt der Flughafenchef Wowereit stets loyal den Rücken frei.

Kritik zielt eher auf Wowereit

Ein ehemaliger leitender Mitarbeiter einer Firma, die auf der BER-Baustelle tätig war, nannte der Berliner Zeitung ein Beispiel. Schon Mitte 2010 habe es beim Einbau der Gebäudeausrüstung, zu der die Brandschutzanlage gehört, Probleme gegeben. Damit die Firmen den damals offiziell angekündigten Eröffnungstermin 3. Juni 2012 halten konnten, hätten sie zirka 50 Millionen Euro extra erhalten.
Doch nicht mal die Drohung zu kündigen und 25,6 Millionen Euro nicht zu zahlen, habe gefruchtet.

„Eine Gefährdung des Termins stand somit bereits seit Mitte 2011 im Gespräch“, so der Bericht. Doch das Flughafen-Management sei vor nur daran interessiert gewesen, das Problem unter der Decke zu halten – bis Wowereit im September 2011 wiedergewählt wurde. Erst danach habe der Aufsichtsrat akkurate Berichte über die Probleme bekommen. „Jedoch war dies im Dezember 2011 viel zu spät“, heißt es.

Ein Beispiel für die Schicksalsgemeinschaft Schwarz/Wowereit. Aber auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hält zu Schwarz – noch. „Wir haben seine Leistungen nicht vergessen. Im Kerngeschäft ist er unbestritten gut“, hieß es in Potsdam. Das überdurchschnittliche Wachstum des Flugverkehrs in Berlin sei Schwarz zu danken. Der Bund ziele mit seiner Kritik weniger auf Schwarz als auf Wowereit. Wenn der Flughafen-Chef die nächsten Wochen übersteht, werde er wohl bleiben dürfen. Sobald der BER offen ist, werde Schwarz ihn zum Erfolg führen.