Berlin/Potsdam - Langsam sind sie nicht mehr zu zählen, die Krisentreffen zum neuen Schönefelder Flughafen. Am heutigen Dienstagvormittag geht es mal wieder um die Brandschutzanlage, von der immer noch nicht klar ist, ob sie wie vorgesehen funktioniert. Vertreter der Firmen Bosch und Siemens sollen Rainer Bomba (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, und Horst Amann, dem Technik-Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, die alles entscheidende Auskunft geben. Sie sollen ihnen sagen, ob sie die Anlage so rechtzeitig fertigstellen können, dass der Flughafen BER tatsächlich am 27. Oktober 2013 in Betrieb gehen kann – und wie viel Geld das kosten würde.

Beim Bund hält man es für möglich, dass die beiden Firmen mit einer schlechten Nachricht aufwarten werden, was den Termin betrifft. „Es liegt was in der Luft“, hieß es dort. Technik-Chef Amann habe mitgeteilt, dass die Brandschutzanlage immer noch unter Problemen leide und dass deshalb aus heutiger Sicht der „Termin wackelt“, war am Montag im Verkehrsministerium zu erfahren . Zwar seien die Tests der Brandschutzanlage wieder aufgenommen worden. Doch dabei sei bisher nur ermittelt worden, ob die Mechanik funktioniert, für die automatische Steuerung sei das weiter ungewiss.

Kabel in viel zu engen Schächten verlegt

In Brandenburger Regierungskreisen zeigte man sich verärgert, dass das Treffen vorher bekannt geworden ist. „Es ist nun nicht mehr mit einem offenen Gespräch zu rechnen“, hieß es. Kritisiert wurde zudem, dass auch offiziell immer wieder neue Zweifel am Termin laut werden. „So reden wir den Termin tot.“

Die Genehmigungsbehörde, der Landkreis Dahme-Spreewald, forderte die Unternehmen zu einer raschen Klärung der Probleme auf. Sie müssten sicherstellen, dass die Brandschutzanlage einwandfrei funktioniert, sagte Landrat Stephan Loge (SPD) am Montag in Wildau. Er nannte die Meldeanlagen, Sprinkler und das Öffnen oder Schließen der Türen, das im Alarmfall funktionieren müsse.

Vertreter des Landkreises sind bei allen laufenden und geplanten Tests zum Brandschutz anwesend. Das sei zwar „für eine Behörde an sich unüblich“, sagte Loge. Der Kreis habe aber darum gebeten, um beurteilen zu können, ob die geschossspezifische Entrauchung klappt und um Ratschläge einbringen zu können. Der Landrat deutete an, dass die ungewöhnliche Beteiligung amtlicher Bauexperten in diesem Stadium auch auf schlechte Erfahrungen zurückgeht: So sei beim fehlerhaften Einbau von Kabeln in viel zu enge Schächte kein Behördenvertreter dabei gewesen.

Mit der geschossweisen Entrauchung sollen die Schwierigkeiten umgangen werden, die die Brandschutzanlage aufgeworfen hat. Bis Februar plant die Flughafengesellschaft rund 30 Tests. In der Kreisverwaltung befassen sich derzeit fünf Mitarbeiter mit den BER-Genehmigungen. Falls nötig, lasse sich ihre Zahl sofort auf 30 aufstocken. „Wir werden zumindest nicht der Hinderungsgrund sein“, sagte der Landrat zu den Zweifeln an einer Eröffnung im Oktober 2013.

„Der Überblick fehlte“

Auch in anderen Bereichen der Haustechnik gibt es Probleme, war aus der Flughafengesellschaft FBB zu erfahren. Nachdem im Mai die Projektplanungsgesellschaft pg bbi gekündigt worden war, musste die FBB die Steuerung übernehmen. Sie verfügte aber oft nicht über Pläne. „Der Überblick fehlte“, hieß es. Der Neuanfang wurde dadurch weiter erschwert, dass Amann bei seinem Wechsel nach Berlin eigene Mitarbeiter mitbrachte. Einige FBB-Beschäftigte, die sich auskannten, wurden auf andere Posten umgesetzt. Erst seit drei Wochen gewinnen die Arbeiten an Tempo.