Hektisch versuchen Politiker und Planer, das jüngste Problem am BER aus der Welt zu schaffen. Damit der Zeitplan nicht noch weiter aus dem Ruder gerät, muss rasch eine Lösung gefunden werden, die alle Beteiligten überzeugt. Doch bislang ist ungewiss, ob dem Flughafen-Aufsichtsrat am kommenden Freitag eine Einigung präsentiert werden kann. Spätestens im Mai müsste eine Entscheidung fallen, sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld der Berliner Zeitung. Dann wäre es noch möglich, den Flughafen wie geplant 2017 zu eröffnen.

Wer die Pannengeschichte des BER kennt, dem wird das Thema bekannt vorkommen. Erneut geht es darum, wie bei einem Brand Rauch abgeleitet werden soll. Wie berichtet ist diesmal eine wichtige Schnittstelle im Fokus – zwischen dem Terminal und dem Bahnhof, der darunter liegt. Jeweils für ihren Bereich haben die Bahn und die Flughafengesellschaft Pläne erarbeitet.

Doch ob beide zueinander passen, wurde lange nur am Rand behandelt. Jetzt drängt die Zeit – und endlich wird intensiv diskutiert.

Wochenlange Verzögerung droht

Die Aufgabe lautet: Beide Planungen müssen miteinander verbunden werden – und zwar so, dass das Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald davon überzeugt ist, dass es den Anforderungen an die Sicherheit genügt. Erst dann will es den fünften Nachtrag zur Baugenehmigung, den die Flughafengesellschaft Mitte Februar beantragt hat, genehmigen. Diese Genehmigung ist erforderlich, um die Entrauchungsanlage umzubauen.

Derzeit ist aber offenbar noch Überzeugungsarbeit nötig. Das Amt bemängelt, das die bisherigen Pläne nicht alle Szenarien abdecken würden. Zwar wurde Anfang April bei einem Treffen, an dem auch das Eisenbahn-Bundesamt teilnahm, ein möglicher Weg aus dem Dilemma entworfen. „Ein Lösungsvorschlag liegt auf dem Tisch“, bestätigte Flughafenchef Mühlenfeld. Aber eine Einigung steht bisher noch aus.

Dem Vernehmen nach gibt es in der Behörde Bestrebungen, dass alle Daten durchgerechnet werden müssen. Sie fordert für alle denkbaren Eventualitäten Nachweise, dass die Sicherheit gewährleistet ist.

„Folge wäre ein riesiger Berechnungs- und Dokumentationsaufwand, der viele Computer wochenlang beschäftigen würde. Ein riesiger Popanz“, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Das Gremium müsse am 22. April über eine zeitsparende Variante sprechen: Das Amt genehmigt das Konzept, soweit es unstrittig ist – und fordert für den Rest, Nachweise später nachzureichen.

Die Uhr tickt. So viel steht fest: Im Zeitplan ist keine Reserve übriggeblieben. „Der Puffer ist weg“, sagte ein Beteiligter. Er ergänzte, dass noch immer nicht alle Baupläne vorlägen. Das neue Problem mit der Entrauchung an der Schnittstelle zum Bahnhof werde als zusätzliches Damoklesschwert empfunden. „Es gibt eine große Gefahr, dass der Flughafen 2017 nicht eröffnet werden kann. Alle haben Angst. Wer derzeit sagt, es klappt im nächsten Jahr, hat ein großes Risiko zu verlieren“, meinte er. „Mit Gewissheit kann aber niemand sagen, wie es ausgeht.“ Der Insider rechnete nicht damit, dass Mühlenfeld dem Aufsichtsrat am Freitag einen neuen Eröffnungstermin nennt. Der Chef wolle den Druck auf die Baufirmen nicht verringern. Immer noch regiere am BER das Prinzip Hoffnung.

Gespräch zum Regierungsairport

In der Tat gibt sich Mühlenfeld äußerlich entspannt. Obwohl der fünfte Nachtrag zur Baugenehmigung nicht genehmigt worden ist, sei man nicht untätig, sagte er. „An vielen Stellen wird weitergebaut“ – wo immer es zulässig ist. „Mehr als 700 Menschen arbeiten im BER.“

Der Flughafenchef gab sich auch zuversichtlich, dass bis zur Aufsichtsratssitzung ein anderes Problem aus der Welt geschafft wird. Es geht darum, wie lange der Bund für den Regierungsflugbetrieb in Schönefeld eine Zwischenlösung akzeptiert – und wann der Bau des endgültigen Regierungsflughafens in Angriff genommen werden muss. Der Bund will möglichst bald damit beginnen, die Anlage zu bauen. Der Flughafen will das Vorfeld, wo sie entstehen soll, möglichst lang für seinen Linienflugbetrieb nutzen.

Nächste Woche gibt es Gespräche mit den Airlines. Vielleicht wäre es sinnvoll, einen Teil des Vorfelds dem Bund vorfristig zu übergeben, damit er mit dem Bau beginnen kann, sagte Mühlenfeld. „Wir werden einen Kompromiss finden.“