Die gute Nachricht zuerst: Man kann das Licht doch ausschalten im neuen Terminal des Großflughafens BER. Darüber gab es ja in den vergangenen Tagen recht viel Häme, weil Technikchef Horst Amann auf die Frage, warum im Terminal des Flughafens Tag und Nacht Licht brenne, gesagt hatte, man könne es leider nicht ausknipsen. „Das war nur eine flapsige Bemerkung“, erklärt Erich Wurth.

Wurth arbeitet in der Marketingabteilung des BER und er muss viel erklären in diesen Tagen. Jede Woche führt er mindestens einmal eine Besuchergruppe über den Flughafen, meist sind es Ingenieure, Fachleute von Baufirmen oder Architekten, die sich umsehen, vielleicht auch selbst eine Meinung bilden wollen, warum es immer noch nichts werden will mit der Flughafeneröffnung. Normale Bürger, sagt Herr Wurth, sind in diesen Wochen seltener dabei. „Es gibt ja auch nicht so viel zu sehen, seitdem die Kräne weg sind.“

Die Kräne und die Bauarbeiter. Ganze 300 von ihnen tummeln sich derzeit auf dem riesigen Gelände, sagt Wurth. Der BER ist in diesen Tagen eine Geisterstadt. Wurth hat seine Besuchergruppe darauf vorbereitet. „Erschrecken Sie nicht, wenn Sie hier keinen Menschen sehen“, sagt er seinen Gästen gleich zu Beginn. Heute sind es Mitglieder und andere Interessierte, die mit dem Verein Berliner Wirtschaftsgespräche nach Schönefeld gekommen sind.

Der Bus fährt über die Autobahn A113 aufs Flughafengelände, vorbei an einer weiten unbebauten Fläche mit einem einzelnen Gebäude am Rand. „Das ist das Maklerbüro der Gemeinde Schönefeld“, sagt Wurth. Auf dem Parkplatz davor steht kein Auto. Den erhofften Ansturm auf den Gewerbepark wird es vor der BER-Eröffnung wohl nicht geben. Auf dem Gelände ist der Aussichtsturm und Besucherpavillon der erste Anlaufpunkt.

Noch bevor jemand fragt, gibt Wurth selbst einen Abriss über das Desaster der letzten Monate, Wochen und Tage. Kein ausreichender Brandschutz, Kapazitätsengpässe bei den Gepäckbändern, kein Flughafenchef, aber mittlerweile 24.000 festgestellte Mängel – „es ist ein schwieriges Metier, das Ganze“, sagt er betrübt. Und dass man es jetzt hinkriegen muss, denn schon zweifelt die Welt an der deutschen Ingenieurskunst.

Es sind jetzt fünf Milliarden Euro

Zumindest am Willen der Flughafengesellschaft, mehr Transparenz herzustellen, zweifelt man nicht an diesem Frühlingsnachmittag, wenn man Erich Wurth lauscht. Dass er viele Fragen nicht beantworten kann – zum Beispiel die, wie es überhaupt so weit kommen konnte mit dem Unglücksprojekt – liegt daran, dass es darauf einfach noch keine Antwort gibt. Wann wird ein neuer Termin feststehen? Vielleicht im dritten, vielleicht im vierten Quartal des Jahres. Was wird das gesamte Projekt kosten? „Wir sind jetzt bei fünf Milliarden Euro“. Jetzt.

Wird es gleich eine Kapazitätserweiterung geben? Kann gut sein, ist aber noch nicht entschieden. Nur bei einer Frage legt er sich fest: „Es wird definitiv keine dritte Landebahn geben.“ Sie sei gar nicht notwendig, da die beiden anderen so weit auseinanderliegen, dass man sie komplett unabhängig voneinander betreiben könne. Was wieder zur Frage der Flugrouten führt. Auch das ein weites Feld, noch nichts endgültig entschieden. „Ich schlage vor, dass wir jetzt in den Bus steigen.“

Es geht zum Terminal. Groß prangt die Aufschrift „Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt“ inmitten der gläsernen Front. Die Türen sind mit schwarz-gelbem Plastikband zugeklebt. Die Gäste recken die Köpfe, versuchen etwas im Inneren zu erkennen. Ins Terminal dürfen sie nicht. Das hat Technikchef Horst Amann ausdrücklich verboten. Man erkennt nur eines: Trotz des hellen Sonnenscheins sind die Deckenlampen eingeschaltet.

Drinnen, das weiß man, sieht alles soweit fertig aus. 130 Geschäfte warten auf Kunden. Die Fluggäste, so Wurth, sollen 90 Prozent ihrer Wartezeit dort verbringen – und nicht in den bewusst klein gehaltenen Wartezonen. Auch die sind schon fertig. Wenn nur die Sache mit dem Brandschutz nicht wäre. Und die falsch verlegten Kabel. Und die anderen 23 998 Mängel. Der Bus fährt weiter.

Es kommen die Feuerwache (fertig), die Polizeistation (fertig), die Kantine (fertig). Mitten auf dem Rollfeld hält der Bus, hier dürfen alle aussteigen. Mit roter Plastikfolie, die mit kleinen schwarzen Sandsäcken beschwert ist, wurde ein großes Kreuz mitten auf der Bahn ausgelegt – das Zeichen, dass diese Bahn gesperrt ist. Alle fotografieren. Es ist das Sinnbild für den Stillstand.