Erst Verwunderung, dann Ablehnung: Der Vorschlag des Bundesverkehrsministers, den Airport Leipzig/ Halle zum Berliner Zweitflughafen zu machen, stieß in Berlin und Brandenburg am Montag auf eine zweistufige Reaktion. Bei der Flughafengesellschaft FBB machte man keinen Hehl daraus, dass man den Vorstoß von Alexander Dobrindt (CSU) für Quatsch hält. „Nein, Leipzig ist keine Option“, sagte Flughafenchef Hartmut Mehdorn. Auch die Brandenburger Landesregierung zeigte sich erstaunt. „Der Vorschlag ist nicht praktikabel“, sagte Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider der Berliner Zeitung.

Mehdorn plant zweites Terminal

So viel steht fest: Der neue Schönefelder Flughafen BER wäre, wenn er irgendwann eröffnet wird, bereits zu klein. Wie berichtet, gibt es darum den Plan, den Nordflügel des Terminals zu verlängern. Auch über große Lösungen wird nachgedacht. Dobrindt stieß sich offenbar an einer neuen Planung von Mehdorn: Ein zweites Terminal, komplett mit allen Einrichtungen und Anlagen, müsse her. Es sollte im Westteil des BER-Geländes , auf der Selchower Seite, entstehen und in 15 Jahren fertig werden.

Anstatt ein zweites Terminal zu bauen, solle BER lieber mit Leipzig/ Halle zusammenarbeiten und Synergien nutzen, entgegnete Dobrindt in einem Interview.

Eine Äußerung, die den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich freut. Für den Steuerzahler wäre das die beste Lösung, sagte der CDU-Politiker am Montag der Berliner Zeitung. „Der Flughafen Leipzig ist aus dem Großraum Berlin genauso schnell erreichbar wie der neue Berliner Flughafen“, warb er. Der Airport verfüge über „eine hochmoderne Ausstattung einschließlich zweier getrennter Start und Landebahnen, ausreichender Passagier- und Parkkapazitäten sowie einer ausgezeichneten Autobahn- und Bahnanbindung.“ Ein Bahnhof sei in die Anlage integriert.

Leipzig/Halle als Terminal 2 des Berliner Flughafens, über 150 Kilometer entfernt? Das kann sich der Flughafenchef nicht vorstellen. Er sagte am Montag: „Wer von und nach Berlin fliegen will, fliegt von und nach Berlin. Das ist heute so. Und das wird auch künftig so sein.“

„Viel zu weit weg“

„Leipzig ist viel zu weit weg. Was wir brauchen, und das habe ich mehrfach betont, ist eine zielgerichtete Kapazitätserweiterung des BER nach der Eröffnung, die wir jetzt vorbereiten müssen. Das ist mittlerweile auch Konsens.“ Staatssekretär Bretschneider sah das ähnlich. „Wir setzen auf den Standort BER“, sagte der SPD-Politiker. Alle Herausforderungen sollten am jetzigen Standort des BER gemeistert werden können.

In Berlin und Brandenburg nimmt man den Vorschlag des dritten Flughafengesellschafters nicht ernst. Dobrindts Idee helfe nur dem Freistaat Sachsen, dem der Großteil der Anteile an der Mitteldeutschen Flughafen AG gehört, hieß es. „Leipzig/Halle ist defizitär, der Flughafen braucht mehr Verkehr.“ Das Unternehmensergebnis war auch 2013 negativ: 49,7 Millionen Euro Verlust.

Zudem gelte für Linienflüge ein Nachtflugverbot, das mit dem am BER vergleichbar sei. Nachts dürften nur bestimmte Frachtflüge in Leipzig/Halle starten und landen.