Ein neues Modell zur Finanzierung der staatlichen Flughafengesellschaft FBB wird derzeit geprüft. Ein Investor könnte Anteile des Unternehmens, das Berlin, Brandenburg und dem Bund gehört, erwerben. Die Mehrheit soll aber in Staatshand bleiben, hieß es am Montag in Gesellschafterkreisen. Dem Vernehmen nach gibt es vom Bund und dem Land Brandenburg positive Signale für eine solche Lösung.

Mit der EU, die auf Antrag Deutschlands über eine weitere Finanzspritze für den BER von 2,6 Milliarden Euro befinden soll, werde über eine solche Teilprivatisierung gesprochen, hieß es. Interessenten gebe es bereits, unter anderem aus Skandinavien. Infrastruktur in Deutschland, einem der wichtigsten und stabilsten Industriestaaten, gelte als „absolut sicheres Anlageobjekt“, sagte ein Beobachter. Erste Gespräche habe es bereits gegeben.

Mit einem Vertragsabschluss sei aber vorerst noch nicht zu rechnen. Der Bund und Brandenburg sind sich darin einig, dass der Einstieg eines Investors in die FBB erst dann möglich sein soll, nachdem der BER fertiggestellt worden ist. Ab 2019 wäre es denkbar, hieß es.

Querelen mit Gesellschaftern

Vor dem Ende der Arbeiten am neuen Schönefelder Flughafen könnte die Gefahr entstehen, dass der Investor Problemsituationen ausnutzt. Weil bei der Fertigstellung des BER weiterhin Risiken denkbar sind, müsste einem Investor zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich noch Geld gezahlt werden. Nach der Eröffnung, die für das zweite Halbjahr 2017 geplant ist, werde sich der BER rasch entwickeln. Dennoch werde die FBB möglicherweise noch einige Zeit auf privates Kapital angewiesen sein.

In der Geschichte des neuen Hauptstadt-Flughafens hat es schon einige Kapitel dieser Art gegeben. Ursprünglich sollte das Milliardenprojekt komplett privat finanziert werden. Doch nach diversen Querelen erklärten die Gesellschaft die Verhandlungen mit einem Bieterkonsortium mit dem Baukonzern Hochtief und der Immobiliengesellschaft IVG 2003 für gescheitert. Es sei nicht gelungen, „die Risiken gerecht zu verteilen“, sagte der damalige Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD).

Die Investoren hatten darauf bestanden, zu viele wirtschaftliche Gefahren auf die öffentliche Hand zu verlagern. „Gewinne sollten privatisiert, Verluste den Steuerzahlern aufgebürdet werden“, so der EU-Abgeordnete Michael Cramer (Grüne). Die Krise im internationalen Luftverkehr, die nach den Terroranschlägen von 2001 entstanden war, hatte zudem die erwartete Wachstumsraten infrage gestellt. Nach dem Scheitern des Privatisierungsversuchs übernahm die staatliche Flughafengesellschaft das Projekt wieder – war damit aber bald überfordert.