Berlin - Im Untergeschoss wartet eine Überraschung. Die Anzeigetafel über der Treppe zum Bahnhof ist in Betrieb. Weiß auf blau zeigt sie zwei Züge an, als wäre alles in Ordnung. Um 16.50 Uhr, so ist dort zu lesen, fährt der Intercity nach Hannover auf Gleis 1 ab. Ihm folgt um 18.38 Uhr der Regionalexpress nach Lübbenau auf Gleis 4. Nicht viel los, aber immerhin.

Doch die Züge gibt es nicht. Es gibt auch keine Fahrgäste, die mit ihnen verreisen könnten. Denn der unterirdische Bahnhof ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, genauso wenig wie das Terminal des Flughafens BER, zu dem er gehört. Die Tafel führt ein unbeachtetes Eigenleben. Wie auch andere Technik im neuen Schönefelder Empfangsgebäude, das seit Sommer 2012 leer dahin dämmert.

Arbeiter sind kaum noch zu sehen

Ein Besuch im hell beleuchteten BER-Terminal: Das bedeutet vor allem, eine melancholische, lastende Stille zu erleben. Auch am Gate B 02 ist eine Hinweistafel in Funktion. Das Feld für das Flugziel ist leer, aber die Datum- und die Uhrzeitanzeige funktionieren tadellos. Die Minuten verrinnen, doch niemand ist da, der hinschauen könnte. Auch die Eingangshalle ist menschenleer. Sie wurde zugestellt mit einem Labyrinth von Check-In-Schaltern, Anzeigetafeln und Hinweisschildern, über dem ein zurzeit verhüllter Mercedes-Stern prangt. Das Ganze wirkt wie eine Kulisse für Filmarbeiten, die vor vielen Monaten abgebrochen worden sind.

Die dicken Glasscheiben lassen keinen Laut hinein. Nur selten sind Schritte zu hören. Arbeiter sind hier kaum noch am Werk, und für Außenstehende ist das Terminal tabu. Den Flughafenchefs ist der unfertige Flughafen offenbar peinlich. Eigentlich sollten sich in der Halle schon längst viele Menschen drängen. Täglich bis zu 80 000 Fluggäste, unterwegs in den Urlaub oder zum Geschäftstermin. Und 17.000 Beschäftigte, die für die Airlines arbeiten, in Läden an der Kasse stehen oder Koffer verladen. Doch noch immer ist unklar, wann der Flughafen BER, das einstige Prestige- und Hoffnungsprojekt, ans Netz geht. Vielleicht 2015. Einen Termin soll es erst am Ende dieses Jahres geben.

Das Einkaufszentrum verstaubt

Zu viel ist noch zu planen. Die Liste der Mängel umfasst 66 500 Posten. Jede kaputte Fliese ist aufgeführt, aber auch von grundlegenden Problemen ist zu lesen. Von überfüllten Kabelkanälen, in die hastig alle möglichen Leitungen gestopft wurden. Oft Starkstrom- und Datenkabel zusammen, was nicht passieren darf. Auch von Datenautobahnen („BER-LAN“), die zu schmal sind, ist die Rede. Und davon, dass die Computer ein zweites Kühlsystem brauchen, weil eines nicht ausreicht.

Wer durch das bisher 1,4 Milliarden Euro teure Terminal geht, dem fällt auf, dass es dort oft noch so aussieht wie vor einem Jahr. Weiterhin sind Wandpaneele und Hunderte von Deckenklappen offen, die den Blick auf Kabelkanäle freigeben. Besucher müssen aufpassen, dass sie nicht anstoßen. Weiterhin verstauben im Einkaufszentrum die Planen, in die Ladentresen und Imbisstheken eingewickelt sind. Immer noch stehen vielerorts Plastikstühle für die Brandwachen, daneben leuchtet Billiglimo im Sonnenlicht.

Die Lage am BER ist hoffnungslos, ein Gang durch das Terminal hebt die Laune nicht. Doch jemand muss dort einen Sinn für grimmigen Humor haben. Der verwaiste Informationsschalter in der Halle wurde mit einem Piktogramm beklebt, wie es normalerweise an den Türen von Herrentoiletten prangt. Auch ein Behindertenzeichen ist zu sehen, das dort ebenfalls nicht hingehört. Aber es scheint keinen zu stören.

Inzwischen ist es nach 17 Uhr. Von der Tafel über der Treppe zum Bahnhof ist der 16.50-Uhr-Intercity verschwunden, nur der 18.38-Uhr-Zug wird noch angezeigt. Wenigstens etwas funktioniert am BER.