Berlin - So ein Untersuchungsausschuss kann richtig unterhaltsam sein, jedenfalls wenn ein humorvoller und redegewandter Mann wie Alexander Straßmeir auftritt. Straßmeir wird bald 50, ist in der CDU und arbeitet als Staatssekretär in der Justizverwaltung. Am Freitag hatte er die Ehre, vor den Flughafendesaster-Aufklärern des Abgeordnetenhauses als erster Zeuge aufzutreten. Straßmeir hatte nämlich auch mal was mit der Sache zu tun, muss man wissen. Von 1993 bis 1996.

Damals war Straßmeir bei Senatschef Eberhard Diepgen, CDU, im Roten Rathaus Referent für Flughafenfragen. Damals wurde darüber debattiert, ob der Airport in Jüterbog, Sperenberg oder Schönefeld gebaut werden soll. Ok, das ist eine Weile her, aber Straßmeir hatte sich gut auf die Aussage vorbereitet und in seinem Gedächtnis gekramt. Er konnte sich zum Beispiel daran erinnern, wie er sich mit zwei Leuten im Hotel getroffen hat.

Es waren eine Frau und ein Mann. Sie vertraten ein US-Unternehmen, das schon in Oman einen Flughafen gebaut hat. Nun wollte es vielleicht in Deutschlands Osten Milliarden investieren. In welchem Hotel man gesessen hat, wusste Straßmeir nicht mehr. Aber dass Diepgen die Anfrage nicht sonderlich ernst nahm und deshalb seinen Referenten sondieren ließ, das wusste er. Und dass die beiden nicht wirklich danach ausgesehen hätten, als brächten sie viel Geld mit. „Ich hab’ mir gedacht, so ein Projekt lockt ja ’ne Menge komischer Leute an“, sagte Straßmeir. Und die Abgeordneten kicherten.

Schön, dass unsere Volksvertreter ihren historischen Wissensdurst befriedigen wollen und dabei Spaß haben. Noch schöner wäre es, sie würden sich den akuten Problemen auf der Baustelle in Schönefeld zuwenden. Und zwar schnell. Sonst ist der Ausschuss nicht mehr lustig, sondern lächerlich.