Berlin - Dass auf der Baustelle des neuen Schönefelder Flughafens schon in früheren Jahren viel falsch gelaufen ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Dass aber auch nach der Absage der für den 3. Juni 2012 geplanten Eröffnung einiges daneben ging, wurde erst am Freitag bekannt. Joachim Korkhaus sagte vor dem Untersuchungsausschuss BER aus. Er war von Februar 2010 bis September 2012 bei der Flughafengesellschaft als Gesamtprojektleiter für den BER-Bau verantwortlich.

Wie berichtet, hatte die Flughafengesellschaft der Planungsgemeinschaft pg bbi im Mai 2012 gekündigt, weil sie mit ihren Leistungen nicht zufrieden war. Baupläne fehlten, und die Information war lückenhaft. „Sie haben uns keinen reinen Wein eingeschenkt“, sagte Korkhaus. Damit es auf der Baustelle rasch weitergehen konnte, nahmen Korkhaus und seine Mitstreiter Kontakt mit den rund 40 Ingenieurbüros auf, die im Auftrag der Planungsgemeinschaft mit mehr als 400 Beschäftigten für einzelne Teile des Projekts verantwortlich waren.

Mit Erfolg: „Bis Ende Juni gelang es uns, 80 Prozent vertraglich zu binden. Mit denen wollten wir neu starten.“ Ein Team sollte damit beginnen, die überbelegten und falsch bestückten Kabeltrassen zu sanieren. Aber dann kam alles anders.

„Autorität abgeschossen“

Denn der Aufsichtsrat hatte mittlerweile entschieden, Horst Amann vom Flughafen zum 1. August 2012 zum Geschäftsführer Technik/BER zu machen. Schon vor seinem Umzug schickte der Hesse Projektsteuerer nach Schönefeld, die Korkhaus die Sanierung der Kabeltrassen untersagten. „Damit war meine Autorität abgeschossen worden“, sagte Korkhaus. Am 11. September 2012 kam der Eklat: Amann setzte Korkhaus ab und entzog ihm die Prokura. „Das Gespräch hat zehn Minuten gedauert“, so der Bauingenieur. Er habe sein Büro räumen müssen. Auch Olaf Nozon, bislang Teilprojektleiter für das Terminal, verlor den Posten. Amann ließ neue Planer und Bauüberwacher mit Hilfe einer Ausschreibung suchen, erst im Dezember 2012 waren sie gefunden. Bis dahin passierte relativ wenig.

„Herr Korkhaus war ein Erfahrungsträger, dessen Wissen unbedingt hätte weiter genutzt werden müssen“, sagte der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto. „Seine Absetzung war ein weiterer Fehler in der langen Kette des Missmanagements von Aufsichtsrat und Geschäftsführung.“ Allerdings habe Korkhaus Aussage gezeigt, dass es auch unter seiner Ägide schwer wiegende Probleme gab. „Er erklärte, er selbst habe nicht den vollständigen Überblick über den Stand des Bauvorhabens gehabt. Das Vorhaben sei zu komplex, es gäbe zu viele Beteiligte. Das Flughafenprojekt gleicht insofern dem Turmbau zu Babel.“ In der Tat: Korkhaus berichtete zwar, dass die Zusammenarbeit mit Controllern und anderen Externen nicht immer gut war – doch viel unternommen wurde dagegen nicht. Allein die Planungsgemeinschaft habe 200 bis 300 Mängelrügen erhalten, rund 150 Mal wurde die Abschlagszahlung gekürzt. „Es ist besser geworden, aber nie optimal“, so Korkhaus.

Am BER geht es weiterhin nur langsam voran. Der neue Chef Hartmut Mehdorn tauscht externe Berater aus, weil er sie ohne die notwendige Ausschreibung beschäftigt hat. Flughafensprecher Ralf Kunkel bestätigte den Abgang von Price Waterhouse Coopers (PwC). Der Flughafen wolle weniger mit externen Beratern arbeiten. PwC habe aber gute Arbeit geleistet.

Amann ist kein Geschäftsführer mehr. Der Ex-Manager sitzt nun in dem kleinen Zimmer, in das er ihn einst geschickt hat, sagte Korkhaus. Es scheint ihn zu freuen. (mit dpa)