BER-Verzögerung: Flughafenskandal gefährdet Wirtschaftsstandort Berlin

Berlin/Potsdam - Führende Wirtschaftsvertreter haben vor einer erneuten Verschiebung der Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg (BER) gewarnt. „Das ist eine Blamage“, sagte der Chef von Air Berlin und somit größten Kunden des BER, Hartmut Mehdorn.

Der Chef der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Eric Schweitzer, nennt eine erneute Verschiebung schlecht für das Image des Investitionsstandorts. „Der nächste Termin muss daher verbindlich sein, damit betroffene Unternehmen endlich die dringend benötigte Planungssicherheit bekommen.“ Auch der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, Christian Amsinck, sagte, eine weitere Verschiebung könne dazu führen, dass Investitionen nicht oder woanders realisiert würden.

Vor der Aufsichtsratssitzung an diesem Donnerstag waren verstärkt Zweifel an dem Termin 17. März 2013 laut geworden. Das Datum lasse sich wegen Problemen auf der Baustelle nicht halten, heißt es intern. Es wird damit gerechnet, dass sich die Eröffnung bis mindestens in den Sommer 2013 verzögert.

Personelle Konsequenzen

Aus der Politik steigt dennoch der Druck auf den Chef der Flughafengesellschaft, Rainer Schwarz. Nach Ansicht von Ramona Pop, Fraktionschefin der Berliner Grünen, kann er das Projekt nicht mehr zum Erfolg führen. Der Aufsichtsrat solle personelle Konsequenzen ziehen, sagte Pop. Die anderen Oppositionsparteien schlossen sich dem nicht an.

Für den Aufsichtsrat selbst sieht Pop den Zeitpunkt für einen personellen Wechsel verpasst. Die Länderchefs Klaus Wowereit und Matthias Platzeck (beide SPD) hätten vielmehr die Pflicht, den Neubau zu einem guten Ende zu führen. Das sieht mancher in der CDU anders. Brandenburgs CDU-Generalsekretär Dieter Dombrowski forderte den Rücktritt der Länderchefs von ihren Aufsichtsratsposten.