Direkt gegenüber vom Bahnhof Friedrichstraße prangt groß das Eiserne Kreuz der Bundeswehr über einem Ladengeschäft. Wir. Dienen. Deutschland. Zwischen einer Apotheke und einem Schuhgeschäft hat sich die Bundeswehr hier ihren Showroom eingerichtet. Ein Modellmarineschiff, Jutebeutel in Tarnfarben, Aufstellpuppen in Kampf- und Überlebensanzügen, Poster mit Militärgerät und ein großflächiger Screen, über den Werbung flimmert: So sieht es im Inneren des Showrooms aus.

„Wir wollen in die Mitte der Gesellschaft“

Wir sind an diesem Vormittag die einzigen Besucher und kommen mit den Herren der Bundeswehr ins Gespräch. „Wir wollen in die Mitte der Gesellschaft“, erklärt uns Hauptmann Mathias Kruse die Lage des Ladens mitten in der Stadt. Der Showroom ist modern eingerichtet. Er erinnert an die „recruiting offices“, in denen in den USA für die Armee geworben wird.

Kruse ist Karriereberatungsoffizier. Er trägt Uniform, so wie seine beiden Kameraden, Stabsfeldwebel Frommknecht und Oberstabsgefreiter Krieger. Die drei Soldaten sollen interessierte Besucher über ihre Arbeit und über Karrieremöglichkeiten bei der Bundeswehr informieren. Jetzt lassen wir uns einfach einmal beraten.

Zunächst erklärt uns Mathias Kruse die formalen Voraussetzungen für einen Einstieg bei der Bundeswehr: Deutsche Staatsangehörigkeit, keine Vorstrafen, keine Beziehungen in extremistische Milieus, keine Probleme mit Drogen. So weit, so gut.

Beide haben wir ein abgeschlossenes Masterstudium in Politik- und Sozialwissenschaften. Damit stehen die Karrierechancen im nichtmilitärischen Bereich der Bundeswehr ähnlich schlecht wie auf dem zivilen Arbeitsmarkt.

Seiteneinstieg als Soldat

Für medizinische Berufe und die IT bei der Bundeswehr eignen wir uns nicht, und auch Lehrer werden nur mit Staatsexamen eingestellt. Was sich allerdings anböte, sei ein Seiteneinstieg als Soldat – vorausgesetzt wir seien offen für die Arbeit an der Waffe. Wir würden direkt in die Führungsebene vorrücken. Selbstverständlich erst nach abgeschlossener Grundausbildung. Die Wehrdienstverweigerung müsse natürlich widerrufen werden. Es fallen Wörter wie „Personalverantwortung“ und „Vorgesetztenfunktion“. Übersetzt heißt das: Offiziersposten.

Hauptmann Kruse kommt aber schnell auf den Punkt: „Ihnen muss bewusst sein, dass Sie mit Tod und Verwundung in Berührung kommen könnten.“ Auf einer Karte zeigt er uns die derzeitigen Einsatzgebiete der Bundeswehr.

„Auf Auslandseinsätzen bringen Sie je nach Lage auch Ihre Gesundheit in Gefahr. Durch Beschuss oder wenn Sie versehentlich über eine Sprengfalle fahren.“ In dem ästhetisierten, professionell gestalteten Showroom mitten in Berlin, weit entfernt von Afghanistan oder Mali, klingen diese Aussagen surreal. Von Postern und Broschüren strahlen uns junge Männer und Frauen an. Aber der Karriereberatungsoffizier redet uns die Situation nicht schön. Kruse zuckt mit den Schultern: „Wir machen dort ja auch keinen Urlaub. Aber wenn Sie körperliche oder seelische Verwundungen erleiden, lassen wir Sie nicht allein.“

Erst „Assessment“, dann Einsatz

Sollten wir uns ernsthaft für eine Karriere bei der Bundeswehr interessieren, müssten wir allerdings zunächst zu einem ausführlichen Beratungsgespräch, praktischerweise im selben Gebäude. Danach müsse außerdem unsere körperliche, geistige und charakterliche Eignung geprüft werden, er nennt das „Assessment“. Die Bundeswehr prüfe genau, hier werde nicht einfach von der Straße wegrekrutiert wie beispielsweise in den USA.

Zum Abschied drückt er uns Informationsmaterial in die Hand. Auf einem Flyer prangt ein Kampfschiff vor grauem Himmel: „Kommen Sie an Bord!“, steht darüber. Wir aber bleiben doch lieber beim Journalismus.