Wieder einmal wäre es bewiesen: Nirgends auf der Welt kann so schön dem Hedonismus gefrönt werden wie in Berlin. Nirgends schmeckt das Leben unbeschwerter, ist das Bier günstiger und die Partynächte länger. Konzerte, Museen, Shopping-Straßen: Berlin kann alles. Zu diesem Ergebnis kommt auch das "Fun-City-Ranking" der Reiseportale GoEuro und Get your Guide.

Das Ranking kürt Berlin unter 1830 Städten zur spaßigsten Stadt weltweit. Silber geht an London, Bronze an Paris. In elf Kategorien beurteilen die Autoren der Analyse die Städte anhand von Online-Bewertungen und Kriterien, die für Unterhaltung und Vergnügen stehen.

Mit einem Bierpreis von durchschnittlich 82 Cent für eine 0,33-Liter-Flasche im Supermarkt ist Berlin die einzige Stadt unter den Top 25, wo für unter einen Euro mal eben "eins auf die Hand" getrunken werden kann - und zwar draußen auf der Straße auf dem Weg zur Party. Das Verbot, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken, stürzt New York von den Medaillenrängen auf Platz vier, obwohl der Big Apple Bestnoten in der Kategorie "Freizeitaktivitäten" erhält. Durch Dubai sollte man ebenfalls besser nicht mit einer Pulle in der Hand schlendern, dort ist aber auch Indoor-Trinken etwas für Privilegierte: 3,08 Euro kostet im Schnitt eine Flasche in der Golf-Metropole, die Rang 19 belegt.

Was Clubs und Konzerte anbelangt, unterliegt Berlin London knapp. Nur jeweils fünfeinhalb von sechs möglichen Sternen gibt in diesen Kategorien. "Berlin hat London insgesamt um eine Nasenlänge geschlagen, obwohl es in keiner wichtigen Kategorie das Ranking anführt", kommentiert der britische Telegraph die Liste. Klingt da etwa ein bisschen Neid mit? Nicht doch.

Anerkennung für die Clubkultur in der deutschen Hauptstadt kommt vom Berlin-Experten der britischen Zeitung: "Von schicken Spots wie dem Watergate oder dem Weekend bis zu industriellen Giganten wie dem Berghain oder dem Stattbad Wedding, die Party scheint hier nie zu enden." Stimmt. Denn eine Sperrstunde hat Berlin im Vergleich zu vielen anderen auch nicht.

Am schönsten Shoppen lässt es sich dem Ranking zufolge in Tokio, das auf Platz fünf landet - gefolgt übrigens von der einzigen weiteren deutschen Stadt in den Top 25: Hamburg. Was die Museumsdichte anbelangt, erhält Moskau die Bestnote. Als wohl schlüpfrigste Stadt der Welt gilt - das überrascht kaum - Bangkok. "Unterhaltung für Erwachsene", wie die Rubrik vorsichtig formuliert heißt, wird in der thailändischen Hauptstadt groß geschrieben. In der Liste landet Bangkok auf Platz 22.

Unterm Strich gewinnt Berlin das Ranking also mit Fleißpunkten: Flächendeckend gute Bewertungen schlagen herausragende Leistungen in bestimmten Bereichen. Doch decken sich die Ergebnisse mit den Eindrücken von Reisenden? Die Macher der Analyse haben 1400 Urlauber befragt, die mindestens drei der aufgeführten Städte schon einmal besucht haben.

"Nur 22 Prozent von ihnen sagen, dass Paris zu Recht den guten dritten Platz ergattert hat", sagt GoEuro-Sprecher Pablo Martinez. Die Macher der Studie dürften beglückt über ihren Ausgang sein: Beide Reiseportale sind in der Gewinnerstadt Berlin ansässig. Zufall? Darüber lässt sich wohl streiten. "82 Prozent der Reisenden finden, dass Berlin wirklich die Spaßstadt der Welt ist", bekräftigt Martinez.

Also alles wunderbar in der Hauptstadt des Hedonismus? Fast. Denn es gibt auch eine Kategorie, in der Berlin nicht ganz so gut abschneidet: "Sport Clubs". Hier erhält Buenos Aires auf Rang 17 die besten Bewertungen. Es bewahrheitet sich also auch im Fun-City-Ranking, womit die Spreemetropole oft aufgezogen wird: Berlin kann alles. Außer Flughafen bauen, S-Bahn-Verkehr organisieren - und Fußball spielen.