In Quarantäne-Zeiten bleibt einmal Zeit den Staub unterm Bett zu saugen. Die Arbeit bleibt jedoch in den meisten Haushalten bei den Frauen hängen. 
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BerlinWenn man mehr zu Hause ist, wird die Wohnung auch schneller schmutzig. Das ist zumindest unsere Erfahrung gerade – seit zehn Tagen sind wir, also mein Mitbewohner, mein Partner und ich, nun schon in vorsorglicher Corona-Quarantäne. Wir versuchen, kleine Sachen wie Krümel sowieso immer schnell wegzuwischen – aber Staubsaugen fällt jetzt einfach öfters an. Wir drei teilen uns auch sonst die Arbeiten zu Hause auf – so auch jetzt. 

In Quarantäne zeigt sich patriarchale Arbeitsaufteilung

Gleichzeitig weiß ich, dass in den allermeisten Haushalten, auch in Deutschland, all diese Aufgaben gerade überproportional bei den Frauen hängen bleiben werden. In Quarantäne zeigt sich eine patriarchale Arbeitsaufteilung verstärkt, bei der Haushaltsaufgaben als „Frauensache“ gelten.

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Mir fällt nun Staub auf meinem Schreibtisch schneller auf, da ich jetzt auch im Homeoffice arbeite. Briefe des Gesundheitsamtes zur Quarantäne haben uns weder schriftlich noch online – wie am vergangenen Freitag versichert – erreicht. Dementsprechend haben wir auch kein Betätigungsverbot und ich muss meine Stunden in meinem Teilzeit-Job im Antidiskriminierungsbereich weiter abarbeiten, was kein Problem ist. Anders als für meine Kolleginnen und Kollegen mit kleinen Kindern, für sie ist Homeoffice ein Albtraum.

Die Wohnung ist insgesamt jedoch nicht ordentlicher als sonst. Da wir drei viele Arbeitsaufträge haben, die wir von zu Hause aus erledigen können, halten wir uns nicht mit unnötigem Ordnen oder so auf.

Studenten in der Gastronomie haben gewaltiges Problem

Mein Partner und ich sind fest angestellt, unser Mitbewohner ist Student und Stipendiat. Finanziell machen wir uns also keine Sorgen. Aber viele Menschen in unserem Umfeld wurden nun gekündigt – die meisten in der Gastronomie. Und da viele von ihnen Studierende sind, können sie auch kein Hartz IV beantragen. Viele sind wütend darüber; einige verzweifeln auch.

Die DGB-Gewerkschaften haben jedoch Infotelefone und E-Mail-Postfächer eingerichtet, um Betroffene beraten zu können und sie gegebenfalls bei Klagen zu unterstützen. Wir in unserer WG hoffen, dass im Sinne der Arbeiterinnen und Arbeiter nun tragbare finanzielle Lösungen gefunden werden.

Im Internet gibt es einen Aufruf, jeden Tag um 21 Uhr vom Fenster oder Balkon aus für die Beschäftigten im Pflegebereich zu klatschen – ein guter Konter kommt von einer Gesundheitsarbeiterin: „Wir Pflegekräfte brauchen keine Klatscherei. Wir wollen auch keine Schokolade und warme Worte! Wir brauchen  4000 Euro brutto, mehr Personal, Gefahrenzulagen und ein entprivatisiertes Gesundheitssystem!“

Diese Forderung bekommt Beifall von uns.