Berlin - Was gibt es denn heute, fragt die Senatorin und guckt neugierig auf den Teller. „Das hier“, ruft ein kleiner Junge mit brav gescheiteltem dunklen Haar und zeigt auf seinen Rest Reis mit Gemüse. Später darf Sandra Scheeres (SPD), die Bildungssenatorin, selbst eine Portion probieren in der Mensa der Wedding-Grundschule, einem schön sanierten Altbau nahe dem Leopoldplatz. Also mitten im sozialen Brennpunkt, wie es im Soziologendeutsch heißt, einem Kiez, in dem Armut, Arbeitslosigkeit, Drogenkonsum und Kriminalität sehr alltäglich sind. „Ja, wir sind eine Brennpunktschule“, sagt die Direktorin Angelika Suhr unumwunden.

Scheeres und der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh besuchen an diesem Freitag die Grundschule im Bezirk Mitte, weil sie als typische „Brennpunktschule“ ab kommendem Jahr mehr Geld erhalten soll. Das Programm kam auf Initiative von Saleh zustande, mit dem Senat verabredete er eine Sonderfinanzierung für Schulen in besonders schwierigen Problemlagen.

Soziale Kriterien

Sie solle „nachhaltig“ sein, betont Saleh, und läuft daher zunächst für sechs Jahre. Das Kriterium dafür, wer gefördert wird, ist ausschließlich sozial: Wenn an einer Schule mehr als die Hälfte der Kinder von der Lernmittelzuzahlung befreit sind, die Eltern also Sozialleistungen beziehen, gibt es einen Zuschuss von mindestens 50.000 Euro im Jahr, die zur freien Verfügung stehen: Ob Sozialpädagogen, Sprachlehrer, Anti-Gewalttrainer oder Anschaffungen für bessere Angebote – die Schulen entscheiden selbst, wie sie das Geld verwenden. „Die Schulen wissen am besten, was sie brauchen“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Insgesamt werden auf diese Weise 207 Berliner Schulen gefördert, das ist fast jede dritte (öffentliche) Schule in der Hauptstadt. Im nächsten Doppelhaushalt werden dafür rund 15 Millionen Euro jährlich eingestellt. Der Zuschuss steigt dabei mit höherem Bedarf. Bei bis zu 75 Prozent Kindern mit Zuzahlungsbefreiung gibt es bis zu 62.500 Euro, ab 75 Prozent sogar 100.000 Euro.

Der Höchstzuschuss kommt laut Bildungsverwaltung immerhin noch 66 Schulen zugute, also rund jeder zehnten in Berlin. Um den Effekt der Maßnahmen zu messen, soll das Programm wissenschaftlich begleitet werden, sagte Scheeres. Es würden Erfolgskriterien wie Sprachstand oder Schulabbrecherquote definiert und nach drei Jahren mit den Anfangswerten verglichen. Wer sich verbessert hat, bekommt weiterhin das volle Geld. Wer sich verschlechtert hat, muss Kürzungen hinnehmen, zunächst rund ein Viertel, später etwa die Hälfte. Das Programm bestehe aus einem „Leistungsbonus“, sagte Scheeres.