Die Hoffnungen, in Berlin preiswerte Wohnungen erhalten zu können, schwinden mehr und mehr. Der Grund:  Die Preise für Immobilien ziehen  immer stärker an. Nach den vorläufigen Angaben des Gutachterausschusses für Grundstückswerte für das Jahr 2016 sind die Kaufpreise für Mietwohnhäuser sowie für Wohn- und Geschäftshäuser im vergangenen Jahr mit mehr als 20 Prozent deutlich gestiegen. Eigentumswohnungen verteuerten sich im Schnitt um 7 Prozent. Wer ein Ein- oder Zweifamilienhaus erwarb, musste 15 Prozent mehr bezahlen als im Jahr zuvor.

Der Gutachterausschuss ist ein etwa 40-köpfiges Expertengremium, das die tatsächlich abgeschlossenen Verkäufe auswertet. Die Aussagekraft der Angaben ist vielen anderen Analysen überlegen, die nur auf Angebotspreisen basieren. Die am Donnerstag vorgestellten Angaben für 2016 sind  vorläufig, weil oftmals noch Transaktionen nachgemeldet werden. Dass sich dadurch die Tendenz ändert, gilt aber als unwahrscheinlich.

Mieterverein ist alarmiert

In Berlin sind im vergangenen Jahr insgesamt Immobilien im Wert von rund 16,2 Milliarden Euro verkauft worden. Das entspricht in etwa der Größenordnung  der Transaktionen aus dem  Jahr 2015, die ein Volumen von rund 16,8 Milliarden Euro erreichten. Wohn- und Geschäftshäuser wechselten für 4,2 Milliarden Euro den Besitzer. Bei unbebauten Grundstücken ist die Zahl der Verkäufe leicht zurück gegangen, doch die insgesamt verkaufte Fläche sowie die Preise sind gestiegen. Die Zahl der verkauften Eigentumswohnungen stieg auf 21 054 – ein Plus von fünf Prozent.

Der Berliner Mieterverein (BMV) zeigt sich aufgrund der Verkaufszahlen alarmiert. „Wir sehen den Anstieg der Kaufpreise von Mehrfamilienhäusern und unbebauten Grundstücken mit großer Sorge“, sagte BMV-Geschäftsführer Reiner Wild. „Denn der Druck auf die Mieten wird weiter steigen.“ Der Anstieg der  Kaufpreise bei Mehrfamilienhäusern werde dazu führen, dass die neuen Eigentümer ihre hohen Ausgaben verstärkt durch Modernisierungen und Mieterhöhungen  wieder einspielen wollen. „Sozialer Mietwohnungsneubau wird in den innerstädtischen Bezirken wegen des Anstiegs der Grundstückspreise unmöglich“, sagte Wild. Bei Kosten von 1400 bis 2300 Euro pro Quadratmeter für unbebaute Grundstücke lasse sich preiswerter Neubau nicht realisieren.

Der Mieterverein sehe „erheblichen Regelungsbedarf“ durch den Bundesgesetzgeber, sagte Wild. „Die Spekulation mit Grund und Boden muss endlich  gestoppt werden.“ Die Mieterhöhungsmöglichkeiten nach einer Modernisierung müssten massiv eingeschränkt werden, die Obergrenze bei „normalen“ Mieterhöhungen sei auf zehn Prozent in fünf Jahren abzusenken.  Derzeit dürfen Vermieter innerhalb von drei Jahren bis zu 15 Prozent mehr Miete kassieren.

Mehr Milieuschutz geplant

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sprach am Donnerstag davon, dass der  starke Bevölkerungsanstieg zwar „positive Auswirkungen auf die Berliner Wirtschaft“ habe, gleichzeitig aber auch „für steigenden Druck auf dem Wohnungsmarkt“ sorge. Das günstige Zinsniveau und fehlende Anlagemöglichkeiten verschärften die Situation auf den Immobilienmarkt zusätzlich. Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) verweist darauf, dass die Zahl der Milieuschutzgebiete in Berlin erhöht werden soll. So würden Luxusmodernisierungen und eine damit verbundene Verdrängung von  Mietern mit geringen Einkommen verhindert. Außerdem setze sich Berlin dafür ein, den Schutz der Mieter bei Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen zu verbessern.