5G ist der Nachfolger und ermöglicht äußerst schnelle Datenübertragung.
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Berlin Die  Messe Berlin wird einer von 50 Projekt-Orten in Deutschland für die Erprobung des neuen Mobilfunkstandards 5G. Für Berlin ist das ein wichtiger Schritt in die Zukunft und für die Messe Berlin möglicherweise eine Quantensprung bei der Lösung massiver logistischer Herausforderungen. Das Geld – es sind in der allerersten Projektstufe zunächst 100 000 Euro – kommt vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Die Messe Berlin ist eine von 50 Regionen bundesweit, die mit diesem Programm gefördert werden. 

5G („G“ steht für Generation) ist der Nachfolger von 2G, ausgestattet mit dem sogenannten GSM-Standard, 3G (UMTS) und 4G (LTE). Noch im Juli 2019 feierte die Wirtschaftsverwaltung einen Vertrag zwischen der BVG und Telefónica Deutschland über einen LTE-Ausbau im Berliner Untergrund. Auch Kunden der Deutschen Telekom und von Vodafone sollten Zugang erhalten. Noch telefoniert man in U-Bahnen aber weiter mit 2G oder 3G. Jetzt also 5G. Dabei handelt es um eine neue, meist zusätzliche Strahlungsquelle zu den bestehenden.

Die Vorteile sind vor allem für die Industrie enorm: 5G soll Daten bis zu 100-mal schneller laden beziehungsweise übertragen können als 4G, nahezu in Echtzeit. Zudem können mehr Geräte gleichzeitig im Netz sein, theoretisch bis zu einer Million pro Funkeinheit. Gar so viele Geräte werden es bei der Messe nicht werden – und ohnehin entsteht mit dem neuen Projekt noch kein regelrechtes 5G-Netz. Es ist ein Probelauf, ein späterer Netzausbau ist aber geplant (siehe Kasten).

Südkorea war am Schnellsten

Europa und die Welt: Südkoreas führender Mobilnetzanbieter SK Telecom nahm gemeinsam mit zwei Konkurrenten am 3. April 2019 ein flächendeckendes 5G-Netz in Betrieb, der US-Anbieter Verizon wurde um einige Stunden geschlagen. Seitdem gilt  Südkorea als erster Staat weltweit mit flächendeckendem 5G-Angebot.  In Europa waren die Schweizer die schnellsten. Im April diesen Jahres wurden die Verordnungen und Gesetze angepasst. Noch im selben Monat nahm Branchenführer Swisscom an 102 Standorten in 54 Ortschaften den Betrieb auf. Bis Ende 2019 sollten 90 Prozent aller Schweizer mit 5G versorgt sein.

Deutschland und Berlin: Hierzulande versteigerte die Bundesnetzagentur voriges Frühjahr die 5G-Frequenzen. In einigen Großstädten werden schon einzelne Bereiche abgedeckt. In Berlin senden nach Auskunft der Wirtschaftsverwaltung derzeit 66 Antennen den neuen Standard. Sie versorgen Teile von Schöneberg, Mitte und Kreuzberg. Das Netz soll in den nächsten 18 Monaten wachsen: im Westen bis zur Messe. Im Osten breitet die Telekom das Gebiet über den Alex und das Regierungsviertel Richtung Prenzlauer Berg und Charité aus. Fokus ist die Innenstadt mit ihren touristischen Zielen. Die Telekom will auch den  Technologiepark Adlershof versorgen.

Freie Parkplätze sofort auffindbar durch neue Technik

Tatsächlich ist das Kommunikationsbedürfnis in der Hallenstadt rund um den Funkturm immens. Deshalb sei  der Einsatz von 5G für eine effizientere Logistik „hoch interessant für uns“, wie Messe-Chef Christian Göke sagt.  „Wir versprechen uns davon eine maßgebliche Entlastung des Geländes, weniger Staus und damit weniger Belastung auch im Umfeld.“ Dazu muss man wissen, dass das Messegelände stark ausgelastet ist. Allein 2019 fanden mehr als 70 Veranstaltungen statt – darunter Grüne Woche und IFA, die das gesamte Gelände belegen.

Entsprechend eng sind Platz und zeitliche Taktung für das Auf- und Abbauen. Die neue Technik soll Staus und Wartezeiten verringern. So sollen  Fahrzeuge hochgenau – das heißt auf mindestens einen halben Meter – lokalisiert werden. Außerdem können freie Parkflächen sofort entdeckt und Fahrzeuge auf dem Gelände punktgenau zum zugewiesenen Parkplatz navigiert werden – was Irrfahrten und falsches Abstellen vermeidet.

Verändert 5G unsere Hirnströme

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), deren Verwaltung die Bewerbung der Messe beim Bund begleitet hat, sieht das Projekt als Motivationshilfe für andere Berliner Unternehmen. „Wir wollen, dass auch andere die Möglichkeiten der neuen Mobilfunkgeneration nutzen“, so Pop.  Doch es gibt auch Skepsis wegen möglicher Gesundheitsgefährdung des neuen Mobilfunkstandards.

So schloss sich in Europas 5G-Pionierland Schweiz unlängst eine Regierungskommission der Haltung von Medizinern an, wonach sich durch stärkere Strahlung die Hirnströme verändern könnten. Ob 5G wirklich krank macht, ließ die Kommission offen. Doch längst werden in der Schweiz Unterschriften für die Volksinitiative „Für einen gesundheitsverträglichen und stromsparenden Mobilfunk“ gesammelt, wonach 5G-Feldstärken deutlich eingeschränkt werden sollen.