Während der Senat sein Hochhauskonzept für den Alexanderplatz infrage stellt, erlebt das Viertel nördlich des Hotels Park Inn einen rasanten Aufschwung. Gleich mehrere Hotels haben in dem Gebiet zwischen Alexanderstraße und Mollstraße inzwischen eröffnet, dazu der Touristenmagnet Hofbräu Berlin. Jetzt will der Unternehmer Wilfried Euler mit seiner IVG Immobilien Verwaltungsgesellschaft gleich zwei Neubauprojekte realisieren: An Stelle des viergeschossigen Parkhauses an der Keibelstraße ist ein Wohnkomplex mit etwa 320 Wohnungen geplant. Zudem will er ein Wohn- und Geschäftshaus auf dem Parkplatz an der Otto-Braun-/Ecke Mollstraße errichten. Wie Euler sagt, werde für beide Projekte im September Baubeginn sein.

Nicht ohne Stolz sagt Euler, dass er der erste Investor sein wird, der neue Wohnungen am Alexanderplatz errichtet. Bislang gibt es nur das US-amerikanische Familienunternehmen Hines, das in seinem Alex-Hochhaus Wohnungen unterbringen möchte. Den Platz bezeichnet Euler als Top-Standort für Wohnungsbau. „Die Leute wollen wieder in der Innenstadt wohnen.“ Alte und junge Paare, Singles, Studenten und Geschäftsleute sowie Künstler und Kleinfamilien sieht er als Zielgruppe für seine Wohnungen. „In dem nördlichen Gebiet werden in den kommenden zwei Jahren weitere 2 500 Menschen arbeiten und leben.“

Den Wohnkomplex wird Euler zusammen mit dem österreichischen Unternehmen Strauss & Partner bauen. Etwa 100 Millionen Euro sollen investiert werden. Sie planen keine teure Eigentumswohnanlage, sondern Mietwohnungen. Ab etwa neun Euro Kaltmiete sollen die Wohnungen vergeben werden, in den oberen Staffelgeschossen mit Blick über den Alexanderplatz wird es deutlich teurer: möglicherweise werden dort die Mieten etwa 14 Euro pro Quadratmeter betragen. Überwiegend sollen Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen entstehen, größer als 120 Quadratmeter wird aber keine Wohnung sein, sagt Christian Berger, Geschäftsführer von Strauss & Co Development. Zunächst aber wird im Sommer das alte Parkhaus abgerissen, auch die Keibelstraße wird verlegt und neu gebaut. Zudem soll es in den Erdgeschossen der Häuser eine Kita, einen Supermarkt und Arztpraxen geben.

Von Anwohnern scharf kritisiert wird das zweite Projekt der IVG, das auf dem Parkplatzareal nach dem Masterplan des Senats für den Alex verwirklicht werden soll. Die Anwohner dort fühlen sich durch den Neubau vor ihren Zimmern in einen „Hinterhof zurückversetzt“. Nach vielen Diskussionen baut Euler eine Etage niedriger, zudem verzichtet er auf einen Gebäudeteil und damit auf mehr als ein Drittel der möglichen Bebauung. An der Mollstraße sind 46 neue Wohnungen vorgesehen, an der Otto-Braun-Straße Gewerbeflächen. Ob dort Büros eingerichtet werden oder ein Hotel einzieht, ist noch nicht entschieden. Den neuen Innenhof will Euler grün gestalten, es soll Sitzecken für die Bewohner sowie einen Café-Pavillon geben. Auch eine Durchfahrt für Fahrräder ist vorgesehen. 45 Millionen Euro sind für das Projekt veranschlagt. Beide Vorhaben sollen im Jahr 2015 fertig sein.

Euler ist in dem Viertel kein Unbekannter. Er hat bereits das Alexander Parkside an der Otto-Braun-Straße hinter dem früheren Haus des Reisens errichtet. Dort haben vor einem Jahr ein Holiday Inn sowie ein Boutique-Hotel Indigo und ein Hostel mit 700 Betten eröffnet. Mit der Architektur und der silbergrauen Aluminiumfassade hat er Senatsbaudirektorin Regula Lüscher jedoch brüskiert, weil er sich über den Siegerentwurf eines Wettbewerbs hinweggesetzt und den drittplatzierten Entwurf verwirklicht hat. Wettbewerbe will Euler anders als von Lüscher gewünscht nicht mehr veranstalten. „Es hat sich bewährt, städtebauliche Projekte im Baukollegium und mit der Senatsbaudirektorin zu bereden“, so Euler. Auch den Umbau des Gebäudes Mollstraße 1 hat der Unternehmer vorbereitet: Der ehemalige Sitz der DDR-Nachrichtenagentur ADN wird bis zum Herbst für die Berliner Onlinefirma Zalando saniert.

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