Die Physiotherapie im Seniorenheim im Allende-Viertel 2 ist dieser Tage ein besonders gefragter Ort. Doch viele Menschen kommen nicht wegen Massagen oder Gymnastik in die Praxis – sie unterschreiben auf Listen, die auf dem Empfangstresen ausliegen. Es sind Protestlisten gegen das geplante Container-Dorf in dem Köpenicker Wohnviertel. An der dortigen Alfred-Randt-Straße, auf einer knapp 7000 Quadratmeter großen Brache zwischen Altenheim, Grundschule und Kita plant Sozialsenator Mario Czaja (CDU) eine Container-Unterkunft für Flüchtlinge. Noch in diesem Jahr sollen dort 400 Menschen einziehen. Seit dies in der vorigen Woche bekannt wurde, ist die Stimmung im Viertel gereizt. Für viele Bewohner gibt es nur noch ein Thema: das Container-Dorf.

„400 Menschen auf dieser kleinen Fläche, das geht nicht“, sagt Sandra Kreuzberg-Farr. Die Physiotherapeutin hat die Unterschriftensammlung initiiert, um die Proteste zu kanalisieren. Unter ihren Patienten aus dem Viertel, sagt sie, seien sehr viele Ältere zwischen 70 und 90 Jahren. „Die sind total verunsichert und ängstlich, was da auf sie zukommt.“ Überall im Allende 2, wie das Viertel am Waldesrand auch genannt wird, stehen dieser Tage Menschen beisammen und reden über das Hauptthema. Viele sind auch einfach wütend. So wie die ältere Frau, die seit 30 Jahren dort lebt und ihren Namen nicht nennen will. Sie sagt, was viele dort denken: „Es wird einfach von oben herab entschieden, was hier passiert, so wie früher in der DDR.“ Hätte sich nur ein Verantwortlicher mal den Standort angesehen, wäre diese „Schnapsidee“ mit den Containern schnell wieder verworfen worden. Zu viele Menschen unterschiedlichster Kulturen würden auf viel zu engem Raum zusammen gepfercht, was ihnen nicht gut tue – „und auch den Menschen hier nicht.“ Die Nachbarn vergleichen die Container mit einem Ufo, das mitten im Wohngebiet aufschlage.

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