Berlin - In Berlin mangelt es nicht an Preisen für die Kunst: Fast jede Kunst-Institution, wie etwa die Nationalgalerie, die Berlinische Galerie oder die Akademie der Künste, leistet sich einen eigenen Preis. Hinzu kommen Firmenpreise wie etwa der (in Kooperation mit der Berlinischen Galerie organisierte) GASAG-Kunstpreis, Vattenfall Contemporary oder die einmalige Macht Kunst!-Aktion der Deutschen Bank. Doch ein Preis, so fanden jedenfalls vier jungen Berliner Kunst-Aktivisten, fehlte bislang in der Hauptstadt: Ein Preis mit einem offenen, relativ niedrig-schwelligen Teilnahmeverfahren, ohne Kunst-Elite-Dünkel und Marketing-Hintergedanken. So ein Preis will der Berlin Art Prize (BAP) sein, gegründet 2013 von den Künstlern Zoe Claire Miller und Ulrich Wulff, sowie den beiden Kunstkritikerinnen Alicia Reuter und Sophie Jung.

„One for All“ – „Einer für alle“ lautet das Motto der Auszeichnung, die im vergangenen Jahr zum ersten Mal ausgelobt wurde und die Künstler Cem Kozcuer, Sophie-Therese Trenka-Dalton und Jens Nippert zu Siegern machte. Damals bewarben sich 1000 Berliner Künstler mit ihren Werken um den BAP – eine Zahl, die den Organisatoren zeigte, dass sie offensichtlich einen Nerv getroffen hatten. Damit es bei der Auszeichnung nur um die Kunst und nicht um die Namen geht, bekommt die Jury alle Kunstwerke anonymisiert vorgelegt. „Es geht darum, die Kunst, die hier entsteht, zu würdigen, egal, welcher Künstler, welche Kontakte dahinterstecken, frei von Image-Politik und Marketingbestrebungen“, sagt BAP-Mitbegründerin Sophie Jung.

Neben dem Preisgeld von 1000 Euro winken den Gewinnern in diesem Jahr eine von Markus Selg gestaltete Trophäe und ein einmonatiger, vom Goethe-Institut unterstützter Arbeitsaufenthalt im georgischen Tbilissi.

Charmante Kampfansage

Man kann den Berlin Art Prize für ein leicht größenwahnsinniges Unterfangen halten. Das wissen seine Begründer. „Wir sind kritisch, aber auch ironisch“, erklärt Reuter die selbstbewusste Namensgebung. Doch tatsächlich ist es die charmante Kampfansage an ein zunehmend leerlaufendes Preiswesen, das bestehende Strukturen im Kunstbetrieb immer nur verfestigt, anstatt sie aufzubrechen. Dass die Kandidatenlisten für viele Preise sich oft ähneln, hat wenig mit Zufall, sondern mit Trägheit zu tun: Preisjurys prämieren am liebsten Positionen, die schon anderweitig ausgezeichnet wurden. Und dass es oft dieselben Museumsleute sind, die Vor-Jury-Listen zusammenstellen, macht die Sache auch nicht spannender. Ohne Prominente geht es auch beim BAP nicht: Für dieses Jahr hat das Organisationsteam eine hochkarätige Jury gewinnen können: Die Künstler Cosima von Bonin, Judith Hopf und Egill Sæbjörnsson, die Kunstkritikerin Kimberly Bradley sowie Nicolaus Schafhausen, Direktor der Kunsthalle Wien. Sie hätten sich nicht gescheut, die besten Leute zu fragen, sagt Alicia Reuter, die sich über alle Zusagen freut und betont, dass alle am Preis Beteiligten ehrenamtlich arbeiten.

Die BAP-Organisatoren haben nicht das große Geld im Rücken, aber sie haben Enthusiasmus und nehmen ihre Sache sehr ernst. Das macht den Preis sehr sympathisch: „Wir versuchen, möglichst unabhängig zu bleiben“, sagt Jung. Wenn große Unternehmen wie Vattenfall oder BMW die Kunst für ihre Selbstdarstellung nutzen, wird heutzutage – auch in der sich ansonsten kritisch gebenden Kunstszene – nicht mehr weiter diskutiert. Hauptsache, die Mittel fließen. Muss man deshalb die Konzerne lieben? Auch der BAP freue sich natürlich über Spenden, sagt Reuter. Auf der BAP-Webseite gibt es einen Paypal-Link, ab nächste Woche will man Gelder über die Crowdfunding-Plattform StartNext einwerben.

Doch es gehe eben auch darum, „eine alternative Struktur aufzubauen, in der Kunst bewertet, gedeutet und öffentlich gemacht wird“, betont Jung. Deshalb wird es, wie im letzten Jahr auch schon, einen Katalog geben und eine zweiwöchige Ausstellung mit allen dreißig Finalisten, die Mitte Juni im Kühlhaus am Gleisdreieck eröffnet. Auf lange Sicht soll ein Netzwerk und eine Plattform vor allem für die Künstler entstehen. Und das ist noch etwas, was an diesem Preis so anders ist. Anstatt das Einzelkämpfertum und die Konkurrenz zu glorifizieren, geht es also im Grunde doch um die Gemeinsamkeit: „Wir finden es schön und wichtig, wenn aus den geknüpften Kontakten schließlich Zusammenarbeiten entstehen.“ Ein Gewinner steht schon fest: die Künstlerstadt Berlin.

Bewerbungsschluss ist der 15. März 2014.

Alle Informationen finden Sie unter www.berlinartprize.com

Preisverleihung und Ausstellungseröffnung: 14. Juni 2014.

Ausstellung und Veranstaltungen: 16. bis 29. Juni 2014. Kühlhaus Berlin, Luckenwalderstraße 3, Kreuzberg