Es ist der Alptraum eines jeden Fahrzeugbesitzers. Man will in seinen geliebten Wagen steigen, doch der ist weg. Gestohlen. Über 19.000 Autos wurden im vergangenen Jahr in Deutschland geklaut – fast jedes vierte davon in Berlin! Und die Erfolgsquote bei der Jagd auf die Diebe ist in der Hauptstadt gleichzeitig vernichtend gering: Nur jeder neunte Kfz-Diebstahl konnte aufgeklärt werden.

Zwar ist die Zahl der 2017 in Berlin gestohlenen Autos im Vergleich zum Vorjahr um 4,8 Prozent gesunken. Dennoch ist die Hauptstadt laut BKA nach wie vor ein „Brennpunkt“ der Kfz-Kriminalität, die „Anzahl der Entwendungen liegt auf sehr hohem Niveau.“ In Zahlen ausgedrückt: Deutschlandweit wurden vergangenes Jahr 19.026 Fahrzeuge gestohlen, davon 4.620 allein in Berlin.

Berlin auf Platz Eins

Damit ist die Hauptstadt auf Platz Eins der Klau-Statistik. Zum Vergleich: Im gesamten Bundesland Nordrhein-Westfalen (Platz 2) wurden im selben Zeitraum 4.249 Autos gestohlen, in Brandenburg (Platz 3) 1.428. Bei der Aufklärungsquote steht Berlin ebenfalls schlecht da: Nur 11,3 Prozent aller Kfz-Diebstähle werden hier aufgeklärt, schlechter schneiden nur noch Hamburg (10,5 Prozent) und Wuppertal (9 Prozent) ab.

Laut Bundeskriminalamt dürfte die „deutlich erhöhte Belastung des Stadtstaats Berlin darauf zurückzuführen sein, dass von dort ein schneller Transport in die im Osten Europas gelegenen Absatzmärkte möglich ist“. Auch die schlechte Aufklärungsquote lässt sich zumindest teilweise mit der kurzen Entfernung nach Polen erklären: „Wenn ein gestohlenes Auto erst mal auf der anderen Seite der Grenze ist, war es das für uns“, so ein Ermittler.

Gut organisierte Täterbanden

Zudem warnen die Polizei-Gewerkschaften DPolG und GdP seit Jahren davor, dass die Hauptstadtpolizei „chronisch unterbesetzt“ und im Vergleich zu anderen Bundesländern „schlecht bis katastrophal ausgerüstet sei“. Ganz anders die Autoknackerbanden: „Die Täter arbeiten mit elektronischen Tools, mit denen sie die Sicherungen auch neuer Fahrzeuge unwirksam machen“, so das BKA.

Die Banden bestünden zudem aus „hochqualifizierten, spezialisierten und arbeitsteilig agierenden Tätern.“ So seien neben den „Auftraggebern, Dieben, Fahrern, Kurieren und Hehlern auch für die Logistik verantwortliche Komplizen sowie Spezialisten zum Verändern von Fahrzeugidentifizierungsmerkmalen oder Fälschen von Urkunden“ beteiligt.

Deutsche Automarken sind beliebt

Fast 300 Millionen Euro Schaden haben die vorwiegend aus Polen und Litauen stammenden Banden laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV im vergangenen Jahr angerichtet – Tendenz steigend. Denn die Nachfrage nach in Deutschland gestohlenen Autos wächst weltweit: So werden hochklassige Markenwagen wie Porsche, Mercedes oder BMW zunehmend nach Südostasien, in den Nahen und Mittleren Osten sowie Nord- und Westafrika verschifft.

Wegen der „wachsenden Professionalität der Täter“ ist die Prognose des Bundeskriminalamtes zudem düster: So sei trotz moderner Sicherheitsvorkehrungen eine „grundlegende Änderung der Kriminalitätslage im Bereich Kraftfahrzeuge nicht abzusehen.“