Berlin - Leute, seid korrekt und schlampt nicht rum! Neulich las ich in einem kleinen Büchlein über die DDR folgenden Satz: „In den ersten Schuljahren bewerteten Bienchen statt Zensuren die Leistungen der Jungen Pioniere.“ Abgesehen davon, dass man auch die Leistungen jener bewertete, die nicht Junge Pioniere wurden (so etwas gab’s durchaus), sehe ich auf meinen beiden Schulzeugnissen der 1. Klasse nur Zensuren und keine Bienchen. Diese waren so etwas wie zusätzliche Lobstempel.

Nicht nur historisch, auch sprachlich sollte man genau sein. Jüngst stellte sich uns in einem Brief ein neuer Versicherungsvertreter vor. Er schrieb: „Ich bin 41 Jahre alt, lebe in einer festen Beziehung mit zwei schulpflichtigen Kindern.“ Vorsicht! Ein solcher Satz könnte massiv missverstanden werden. 

Es gibt zurzeit viel Anlass, auf Korrektheit zu achten. Eine Grünen-Politikerin schrieb kürzlich bei Twitter in einer Aussage über die Benachteiligung von Frauen, das „pfeifen die Spatz*Innen längst von den Dächern.“ Ich bin ja durchaus offen dafür, dass Geschlechtervielfalt in angemessener Form auch sprachlich besser widergespiegelt wird, Gendern genannt. Aber soll das auch für Tiere gelten? Soll es künftig „Bär*innen“, „SchlangInnen“, „Eule und Euler“, „Pelikan_innen“, „MeeresbewohnerInnen“, „Erdmännchen und Erdweibchen“ heißen? Wenn ja, dann muss man auch dabei ganz korrekt sein, weil manche Tiere ja von Natur aus Zwitter sind.

Was ist ein weißer Cis-Mann?

Ich wiederum bin ein weißer Cis-Mann. Habe ich zumindest neulich gelesen. Am Anfang wusste ich gar nicht, was das heißt. Dann aber erinnerte ich mich an einen Roman über Hannibal. Die Römer der Antike nannten das heutige Norditalien – damals eine Provinz – Gallia cisalpina („Gallien diesseits der Alpen“), und das heutige Südfrankreich hieß Gallia transalpina („Gallien jenseits der Alpen“). Der Cis-Mann ist also der diesseitige Mann. Gemeint ist, dass er sich zu dem Geschlecht bekennt, mit dem er geboren ist. Trans dagegen bedeutet als lateinische Vorsilbe: hindurch, quer durch, hinüber, jenseits.

Es ist nicht einfach, die Wirklichkeit in allen Facetten sprachlich widerzuspiegeln. Ich glaube, dass es immer komplizierter wird, je tiefer man sich hineindenkt. Die gesamte Sprache ist ja in großen Teilen ungerecht und unlogisch. Warum „versöhnt“ man sich zum Beispiel und „vertöchtert“ sich nicht? Warum ist ein Mann „beweibt“, eine Frau aber nicht „bemannt“? Warum heißt es, jemand sei „betagt“ und nicht „benächtet“? Warum „kriegt“ man was, auch wenn es friedlich passiert? Warum bedeutet „umfahren“ gleichzeitig einen Unfall und die Verhinderung desselben? Warum gibt es einen „Busbahnhof“, eine „Frauenmannschaft“ und ein „Minuswachstum“?

Ich glaube, ich werde mal den ganzen Duden durchforsten. Vielleicht wird mein neues Hobby Sprachreformer. Vielleicht greife ich aber auch einfach nur zur Gitarre und spiele einen Cis-Akkord. Den finde ich ganz schön. Und vielleicht könnte man einen Cis-Mann-Song draus machen.