Kennfarben Blau und Weiß: ein Dieseltriebwagen der Heidekrautbahn.
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BerlinKurz bevor die Genehmigung ungültig würde, soll im Nordosten Berlins der Baubeginn für eine neue Regionalbahnstrecke ins Umland gefeiert werden. Ende November 2020 wird in Wilhelmsruh der ersten Spatenstich für die Heidekrautbahn gesetzt, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) am Donnerstag im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses. Damit kommt ein Verkehrsprojekt, das seit fast drei Jahrzehnten diskutiert worden ist, endlich ins Rollen.

Es geht um einen rund 600 Meter langen Abschnitt, der den künftigen Regionalbahnhof Berlin-Wilhelmsruh umfasst. Das Baurecht gilt dort nur noch bis zum 31. Dezember 2020, dann würde der Planfeststellungsbeschluss nach zehn Jahren seine Gültigkeit verlieren. Der Bau muss in diesem Jahr beginnen, sagte Detlef Bröcker, Geschäftsführer der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB).

Weil sich die Stammstrecke der Heidekrautbahn dort im Bereich der innerstädtischen DDR-Grenze befand, war sie in diesem Bereich zu Beginn des Mauerbaus 1961 stillgelegt und später abgebaut worden. Der folgende rund 14 Kilometer lange Abschnitt ist noch befahrbar, er wurde in den vergangenen Jahren von Güterzügen für Stadler Pankow und Traditionszügen der Berliner Eisenbahnfreunde genutzt. Reguläre Personenzüge waren dort zum letzten Mal 1983 unterwegs.

An dem neuen Bahnsteig in Wilhelmsruh, der auf einem Damm entsteht und eine Rampe, aber keinen Aufzug bekommt, werden voraussichtlich ab Ende 2023 Regionalbahnen der NEB abfahren und enden. Die Triebwagen sollen mit Höchsttempo 80 zunächst im Stundentakt verkehren. Von Blankenfelde nach Wilhelmsruh soll die Fahrt sieben, von Schildow zehn und von Basdorf 24 Minuten dauern. Unterwegs halten die Züge auch am Märkischen Viertel in Berlin und in Mühlenbeck. Für viele Bürger bedeutet das bessere Verbindungen.

In Basdorf münden die beiden Streckenäste der Heidekrautbahn, die ihren Namen von der benachbarten Schorfheide hat. Ein Ast führt von Schmachtenhagen über Wensickendorf und Zühlsdorf nach Basdorf, der andere beginnt in Groß Schönebeck und verläuft dann über Wandlitzsee und Wandlitz dorthin. Seitdem 1901 die ersten Züge verkehrten, dient die Heidekrautbahn sowohl Pendlern und Einkaufsbummlern aus Brandenburg als auch Ausflüglern aus Berlin. Die Züge halten unter anderem am Wandlitzsee und in der Nähe des Liepnitzsees. Heute starten die Regionalbahnen in den meisten Fällen in Berlin-Karow. Mit Wilhelmsruh kommt ein zweiter Ausgangspunkt hinzu. Ab 2027 oder 2028 soll die Strecke von dort über eine Strecke der Deutschen Bahn weiter zum Bahnhof Gesundbrunnen führen.

Der Wiederaufbau der Stammstrecke der Heidekrautbahn, der seit den 1990er-Jahren debattiert wurde und fast 20 Millionen Euro kosten soll, gehört zum Projekt i2030. Hauptakteure sind der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und die Deutsche Bahn (DB). Sie haben sich das Ziel gesetzt, die Schieneninfrastruktur in der Hauptstadtregion zu verbessern. „Wir sind mit den meisten Themen weiter denn je, aber da geht noch was“, sagte der DB-Konzernbevollmächtigte Alexander Kaczmarek am Donnerstag im Verkehrsausschuss. Viele Einzelvorhaben wären derzeit noch in der „papierenen Phase“. „Inzwischen ist die deutsche Planungskultur so, dass die Bauarbeiten nur noch einen geringen Anteil einnehmen“, erklärte Kaczmarek. Für diese Legislaturperiode wäre aber bei vielen Projekten mit wichtigen Grundsatzentscheidungen zu rechnen.