Berlin - Fünf Flüge sind an diesem Vormittag geplant. Air Berlin startet nach Wien und Oslo, Finnair steuert Helsinki an, die Lufthansa fliegt nach Budapest und Stuttgart. Rund hundert Fluggäste klappern die Stationen im Terminalgebäude des künftigen Hauptstadtflughafens ab, um ihre Flüge pünktlich zu erreichen. Um einzuchecken, um das Gepäck aufzugeben und die Sicherheitskontrolle zu passieren. Beim Boarding ist Schluss.

Natürlich wird vom neuen Flughafen Berlin Brandenburg in Schönefeld noch nicht geflogen. Das Terminal ist vor allem eine gewaltige Baustelle, die niemand ohne Helm betreten darf. Doch zweimal wöchentlich proben jetzt Mitarbeiter des Bodenpersonals, der Airlines und Bundespolizisten die Abläufe an ihren künftigen Arbeitsstellen. Immer und immer wieder. Es soll nichts schief gehen, wenn am frühen Morgen des 3. Juni der Airport mit dem Kürzel BER seinen Betrieb aufnimmt.

Auf welchen Routen die Flugzeuge dann starten und landen, will das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung am Donnerstag bekanntgeben. Anfang Juli hatte die Deutsche Flugsicherung ihre Vorschläge unterbreitet, große Änderungen sind kaum zu erwarten. Sicher ist, dass der Protest gegen Fluglärm danach nicht abreißen wird. Am Sonnabend zogen im Schneeregen einige Tausend Menschen durch Berlin und forderten ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr, so wie es das Umweltbundesamt empfiehlt.

Die vom Bundesverwaltungsgericht bestätigte Regelung sieht vor, dass in Schönefeld von 0 bis 5 Uhr nicht geflogen werden darf. Brandenburger Kommunen bereiten sich schon auf ein Volksbegehren vor, das sich gegen die nächtlichen Flüge richtet. 80.000 Unterschriften werden benötigt.

Im Terminal, der sich über dem unterirdischen Bahnhof erhebt, ist von solchen Aktionen nichts zu spüren. Dort erhalten in diesen Tagen die letzten Check-In-Schalter ihr Mobilar, werden Computer angeschlossen und Transportbänder getestet. Folien und Papptafeln schützen die edlen Holzverkleidungen der Abfertigungsinseln. Die Marmorfußböden sind, soweit schon vorhanden, mit Spanplatten bedeckt. Zwischen unzähligen Koffern und Taschen, die längst keine Besitzer mehr haben, für den Probebetrieb aber unentbehrlich sind, bahnen sich Arbeiter mit Baumaterialien und Ausrüstungsgegenständen ihren Weg durch die staubige Abfertigungshalle.

Auch Bundespolizei ist zufrieden

Knapp fünf Minuten brauchen die Koffer auf ihren Bändern von den Check-In-Schaltern bis zur vollautomatischen Sortieranlage eine Etage tiefer. Nach Weihnachten hatten Helfer 16.000 Gepäckstücke durch die Anlage geschickt – in einer Stunde. Der „große Lasttest“ sei erfolgreich verlaufen, sagt Projektleiter Lutz Tilgner. Zufrieden ist auch die Bundespolizei mit ihren 30 Sicherheitsschleusen, die fast die gesamte Breite des Terminals einnehmen. Die Abläufe der Kontrollen seien optimiert worden, heißt es. Noch längst nicht einsatzbereit sind die Bänder, von denen einmal ankommende Passagiere ihr Gepäck nehmen sollen.

Nach offiziellen Angaben arbeiten jetzt 1.500 Menschen an der Fertigstellung des Terminals, weitere 3.500 sind im Freien beschäftigt. Das Wetter meint es gut mit ihnen. Die Arbeiten liegen im Plan, sagt Flughafensprecher Ralf Kunkel. Selbst Bäume seien angesichts der milden Temperaturen schon gepflanzt worden – das war eigentlich erst für März geplant.