Berlin - In Brandenburg gilt seit Wochen eine hohe Warnstufe für Waldbrände, Polizei und Feuerwehr verbieten deswegen das Grillen und Rauchen. Am Mittwoch schlugen auch die Brandenburger Bauern Alarm: Sie fürchten um die Getreideernte, wenn es weiter so trocken bleibt. Zeitgleich rief der erste Berliner Bezirk seine Bewohner zum Gießen der Stadtbäume auf: In Friedrichshain-Kreuzberg sollen Bürger ab sofort zu Kannen und Eimern greifen und kräftig wässern. Auch der BUND forderte am Mittwoch Baumhilfe von den Berliner Bürgern, egal, in welchem Bezirk sie wohnen. „Der Boden ist bis in tiefe Schichten völlig ausgetrocknet, die Stadtnatur ist am Limit“, schreibt der Naturschutzbund.

Für die meisten Bäume in Berlin ist der Boden noch nicht zu trocken

Droht ein Dürre-Sommer wie im vergangenen Jahr? Braune Blätter, kahle Wiesen, verstaubte Felder? Und ist Berlin darauf vorbereitet?

Derk Ehlert von der Senatsverwaltung für Umwelt beruhigt: „Wir haben noch keinen Grund, in Panik zu verfallen.“ Der Boden sei jetzt zwar wesentlich trockener als im April 2018, in dem die natürlichen Reservoirs noch aus dem extrem regenreichen Jahr 2017 gefüllt waren. Vor allem die ersten zehn Zentimeter des Bodens seien stellenweise sehr trocken – das ist auch das Hauptproblem für die Bauern: Pflanzen wie Roggen und Raps reichen nur in geringe Tiefe. Aus diesem Grund rufe auch Friedrichshain-Kreuzberg zum Wässern auf: In diesem Bezirk wüchsen besonders viele Jungbäume, deren Wurzeln noch nicht tief reichten. Für die meisten Berliner Bäume aber gelte zurzeit: „Der Boden ist feucht genug.“

Absprachen mit Brandenburg sind getroffen - Berlin ist auf Sommer eingestellt

Ähnlich entspannt klingt man auch bei den Berliner Wasserbetrieben, die am Mittwoch ihre Jahresbilanz für 2018 vorstellten. Der vergangene trockene Sommer sei gut gemeistert worden, sagte der Vorstandsvorsitzende Jörg Simon. Positiver Nebeneffekt des Rekordsommers: Der Trinkwasserverkauf stieg in Berlin auf insgesamt 223 Millionen Kubikmeter – 18 Millionen Kubikmeter mehr als 2017. Auch der Bilanzgewinn der Berliner Wasserbetriebe verdoppelte sich beinahe von 60 Millionen Euro auf rund 112 Millionen Euro.

2018 aber konnte Berlin auf Reserven aus 2017 zurückgreifen. Wie sieht es in diesem Jahr aus? 30 Prozent der Trinkwasserversorgung ziehe Berlin aus dem Grundwasser, erklärte Simon, 70 Prozent aus Uferfiltraten aus der Nähe von Flüssen und Seen. Absprachen mit Brandenburg zur Stauung der Spree seien bereits getroffen worden. „Sollten weitere trockene Sommer kommen, sind wir gut aufgestellt“, so Simon.

Folgen des Klimawandels sind spürbar - mehr Dürresommer möglich

Dennoch arbeitet das Unternehmen mit massiven Investitionen daran, sich auf extreme Wetterphänomene vorzubereiten. Sorge bereitet dabei weniger die Sonne, sondern der Regen. Bilder von blubbernden Gullys und gefluteten Straßen, durch die Berliner in Badehosen schwimmen, wie es sie beim Jahrhundertregen im Sommer 2017 gab, will man vermeiden. Die Wasserbetriebe legen deswegen neue Speicher und Stauräume an: Im Mauerpark baut man an einem 700 Meter langen Tunnel, der mehr als 7000 Kubikmeter Wasser auffangen können soll. In der Sophie-Charlotten-Straße soll ein Mischwasser-Speicher in ähnlicher Größe entstehen. Die Speicher der Klärwerke Waßmannsdorf und Schönerlinde werden ausgebaut. Eine 2018 eigens gegründete Regenwasseragentur sucht nach Entlastungs-Punkten in der Stadt und berät Planer bei großen Bauprojekten.

„Wir müssen uns auf Starkregenfälle und Wetterextreme gefasst machen“, sagt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, die auch Aufsichtsratsvorsitzende der Wasserbetriebe ist. „Die Folgen des Klimawandels sind schon jetzt spürbar.“