Berlin -  Erik Stohn, der bisherige Fraktionschef der Brandenburger Dauer-Regierungspartei SPD, hat sich am Dienstag in einer äußerst kurzfristig anberaumten Pressekonferenz für eine neue Rolle ins Spiel gebracht: als eine Art freiwilliger Ostbeauftragter der SPD bei den Verhandlungen für eine künftige Koalition im Bund. Als Grund sagte der 37-Jährige: „Ganz einfach: Weil wir die Bundestagswahl gewonnen haben.“

Irritierende Aufgabenteilung

Trotzdem blieb seine künftige Rolle etwas verwirrend. Denn Stohn gibt freiwillig sein karriereträchtiges Amt in Potsdam auf, obwohl nicht absehbar ist, welche Rolle er im Bund spielen und ob die SPD überhaupt an der Bundesregierung beteiligt sein wird. Außerdem will der studierte Jurist einerseits an den Gesprächen in Berlin als Fraktionschef teilnehmen. Gleichzeitig hatte er am Dienstag seiner Fraktion den bisherigen parlamentarischen Geschäftsführer Daniel Keller als seinen Nachfolger vorgeschlagen.

Das klang auch für die politischen Beobachter in Potsdam irritierend. Stohn erklärte es so: Sein Nachfolger solle sich nun parallel einarbeiten und Leute benennen, mit denen er die Fraktion leiten wolle. Er werde dann das Amt abgeben. Die Fraktion sehe hinter dem Plan.

Das Besetzen der starken Stimme des Ostens ist aus Potsdamer Sicht durchaus schlüssig, hat doch die SPD in Brandenburg diesmal die Wahl wieder gewonnen und auch alle Direktmandate geholt. Stohn will sich im Bund vor allem für gute Bedingungen beim Kohleausstieg in der Lausitz stark machen. Gerade im Süden Brandenburgs ist die SPD schwach und die AfD besonders stark, vielerorts führende Kraft. Stohn spricht von einer Spaltung der Gesellschaft dort.

Auf die Frage, ob er offizieller Ostbeauftragter werden wolle, sagte er, dass er zu möglichen Ämtern nichts sage. „Wenn etwas gut gelingen soll, beruht es auf Vertrauen und Verschwiegenheit.“ Er werde sich nun in enger Abstimmung mit Ministerpräsident Dietmar Woidke in Berlin einbringen. „Und zu gegebener Zeit gibt es dann vielleicht wieder etwas mitzuteilen.“