Berlin: Brandsatz an ICE-Trasse Berlin - Hamburg offenbar explodiert

Berlin - An der ICE-Trasse Berlin-Hamburg im Berliner Ortsteil Staaken ist am Mittwochvormittag nach Angaben eines Bahnsprechers ein Brandsatz explodiert. Verletzt wurde niemand, sagte der Sprecher. Die Bahnstrecke in Richtung Hannover und Wolfsburg wurde gesperrt. Ein weiterer Brandsatz sei zwischen den Bahnhöfen Südkreuz und Schöneberg entdeckt worden. Der S-Bahnverkehr wurde unterbrochen. Seit zwei Tagen werden an Berliner Bahnstrecken immer wieder Brandsätze entdeckt.

Die Polizei hatte am Dienstagabend zwischen den S-Bahnhöfen Gesundbrunnen und Schönhauser Allee gleich drei weitere Brandsätze gefunden. In räumlich unmittelbarer Nähe wurde in drei Kabelschächten jeweils eine mit unbekannter Flüssigkeit gefüllte Flasche gefunden, wie ein Polizeisprecher am Mittwoch auf dapd-Anfrage sagte. Zunächst hatte es geheißen, es seien mehrere Plastikflaschen in einem Kabelschacht am nördlichen Ende des Mauerparks gefunden worden. „Es handelt sich aber um eine Tat“, sagte der Sprecher.

Die Flaschen enthielten nach ersten Erkenntnissen der Polizei eine Platine und Elektronik. Die Beweismittel werden derzeit „eingehend kriminaltechnisch untersucht“. Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ordnete eine Verstärkung der Bundespolizei-Streifen auf den Bahnanlagen im Großraum Berlin an.

Drei Brandsätze waren am Vormittag am Grünauer Kreuz im Südosten Berlins entdeckt worden – neben den Gleisen, auf denen im Minutentakt S-Bahnen der Linien S 8, 9 und 46 verkehren. Zwei weitere Brandsätze wurde am Mittag nördlich vom Hauptbahnhof gefunden. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) kündigte verstärkte Streifen auf den Bahnanlagen in und um Berlin an. Für mehr Sicherheit sollen außerdem spezielle Kameratechnik und Hubschraubereinsätze sorgen.

Die Ermittler rätseln noch

Wo sind noch Brandsätze versteckt? Diese Frage stellte sich nach dem Bekennerschreiben, das am Montag nach dem erfolgreichen Anschlag auf Signalkabel an der Strecke Berlin–Hamburg ins Internet gestellt wurde. Darin bekannte sich „Das Hekla-Empfangskomitee“ zu Sabotagehandlungen an „mehreren Kabelschächten“ der Bahn. Kurz darauf wurde das Rätsel teilweise gelöst: Ein Eisenbahner stieß auf einen Benzin-Brandsatz, der aber nicht gezündet hatte. Die Flaschen waren vor dem Nordportal des Tunnels am Hauptbahnhof an einem Trafohäuschen deponiert.

Doch in dem Bekennerschreiben war auch von der S-Bahn die Rede – was sich am gestrigen Dienstag bestätigte. Am Grünauer Kreuz, einem der wichtigsten Knotenpunkte des Berliner Schienenverkehrs, wurde der dritte Fund gemacht. An der S-Bahn-Strecke von Schönefeld und Grünau nach Adlershof fand ein Bahner bei Routinekontrollen um 10.17 Uhr drei 1,5-Liter-Plastikflaschen. Darin soll sich Benzin befunden haben. Die Flaschen waren an den Kabeln befestigt, die neben den S-Bahn-Gleisen in ein Trafohaus führten. Dahinter verläuft das stark befahrene Adlergestell.
Auch diese Brandsätze zündeten nicht.

Die Ermittler rätseln noch, ob die Täter dies absichtlich verhinderten, um niemandem zu schaden, oder ob ihnen der Regen einen Strich durch die Rechnung machte. Vielleicht sei auch der technische Sachverstand nicht so ausgeprägt. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit haben die Täter allerdings bekommen. Und die Genugtuung, den Verkehr gestört zu haben: Nachdem die Polizei um 10.32 Uhr angerückt war, wurden der S-Bahn- und Regionalverkehr unterbrochen – bis gegen 13 Uhr.

Wachsam sein

Es dauerte nicht lange, bis der vierte Fund gemeldet wurde – um 14.20 Uhr, wieder nördlich vom Hauptbahnhof. Beiderseits der viergleisigen Trasse fanden Bahner in Kabelschächten je einen Brandsatz, rund 300 Meter vom Fundort vom Montag und 400 Meter vom Tunnelportal entfernt. Wie am Montag musste die Bahn den Abschnitt sperren. Ein größeres Chaos blieb aber aus.

„Der RAF-Terrorismus zielte auf die oberen Zehntausend. Diese Art von Terrorismus zielt auf das Volk“, so Christfried Tschepe vom Fahrgastverband IGEB. „Es kann keinerlei Verständnis für derart rücksichtslose und auch menschenverachtende Anschläge geben“, sagte der Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit (SPD). Er appellierte an die Bürger, wachsam zu sein. „Unsere Kontrollen haben gegriffen“, sagte Gerd Neubeck, Chef der DB-Konzernsicherheit. Überall, wo die Infrastruktur gefährdet sei, würden vermehrt Sicherheitskräfte eingesetzt, so die Bahn. Das Landeskriminalamt geht indes davon aus, dass alle Brandsätze zur gleichen Zeit deponiert wurden. Weitere Funde werden nicht ausgeschlossen. (mit dapd)