Nach einem Brand in einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Buch geht die Polizei von Brandstiftung aus. Sechs Bewohner erlitten bei dem Feuer am Montag leichte Rauchvergiftungen und mussten vor Ort behandelt werden, wie die Beamten mitteilten. Die Hintergründe der Tat waren noch unklar, die Ermittlungen übernahm der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz.

Innensenator Frank Henkel (CDU) teilte mit, er sei „froh, dass niemand ernsthaft verletzt worden ist“. Weiter sagte er: „Ich empfehle jedoch jedem, beim jetzigen Stand der Ermittlungen keine Vorfestlegung in irgendeine Richtung zu treffen.“

Die Bewohner des betroffenen Hauses müssen in anderen Unterkünften untergebracht werden. Betroffen sind 170 Menschen. Das bestätigte der Kreisvorsitzende der Arbeiter Wohlfahrt Berlin-Mitte, Manfred Nowak. Die Stromversorgung in dem Haus sei beschädigt worden, außerdem sei die Geruchsbelästigung durch den Brand unzumutbar, sagte Nowak, nachdem er sich vor Ort selbst ein Bild gemacht hatte. Wie der Tagesspiegel berichtet, ziehen die Menschen vorübergehend in eine Notunterkunft in der Glienicker Straße in Treptow-Köpenick. 

Die Berliner Morgenpost schildert, dass am Abend Anhänger der rechtsextremistischen Partei NPD vor dem Flüchtlingsheim in Buch erschienen, um dort Plakate aufzuhängen. Sie sollen den Slogan "Deutschland uns Deutschen" getragen haben. Aufgebrachte Bewohner rissen einige Plakate direkt wieder herunter. Ein Sicherheitsmitarbeiter schlichtete die Situation.

SPD und Linke verurteilen mutmaßliche Tat

In der Flüchtlingsunterkunft war am frühen Morgen ein Feuer ausgebrochen. Das Feuer hatte sich nach Angaben der Feuerwehr von Einrichtungsgegenständen im Erdgeschoss eines der Häuser auf Wohnungen im ersten und zweiten Obergeschoss ausgebreitet. Die beiden weiteren Häuser der Unterkunft blieben unbeschädigt und können weiter bewohnt werden. Rund 300 Menschen sind dort derzeit untergebracht.

Die Flüchtlingsunterkunft „Refugium Buch“ besteht aus drei Häusern und bietet Platz für mehr als 500 Geflüchtete. 

SPD und Linke verurteilten die mutmaßliche Brandstiftung ebenfalls. „Wir sind erschüttert darüber, dass die Täter es bewusst in Kauf genommen haben, dass Bewohner des AWO-Refugiums verletzt oder getötet werden“ teilten die sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Elke Breitenbach, und der integrationspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer-Michael Lehmann, in einer Stellungnahme mit. Die Bewohner der Unterkunft benötigten „unsere Unterstützung, unsere Solidarität und unsere Hilfe“, sagten die beiden Sozialpolitiker. (BLZ/dpa)