Verkohlte Farbe, verschmorte Leitungen Stromkabel, verbrannte Möbel. Hier in Buch haben sie gerade erst begonnen, die Schäden des Brandanschlags am Montagmorgen auf das Flüchtlingsheim zu beseitigen, da kommt am Abend schon die nächste Meldung. Wieder ein Brandanschlag, wieder auf eine Flüchtlingsunterkunft, dieses Mal an der Radickestraße in Adlershof.

Durch ein geöffnetes Fenster in der ersten Etage des einstigen Hotels hatten die Täter einen Feuerwerkskörper geworfen. Der Böller landete im Zimmer eines Asylsuchenden und beschädigte den Teppich. Der 17-Jährige blieb unverletzt. Der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen und sicherte Spuren. Der Schaden ist eher gering – verglichen mit dem Anschlag ein paar Stunden zuvor

Sechs Asylbewerber haben in Buch Rauchgasvergiftungen erlitten. 185 der insgesamt 300 Bewohner der von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) betriebenen Flüchtlingsunterkunft mussten das betroffene Haus verlassen. Sie wurden in andere Unterkünfte gebracht, nach Köpenick und Marzahn-Hellersdorf, sagt Manfred Nowak, der Vorsitzende des zuständigen Kreisverbands der AWO Mitte.

Schockiert und besonnen

Seine Mitarbeiter seien schockiert gewesen, als sie von dem Brand erfuhren, sagt Nowak. Nur gut, dass niemand ernsthaft verletzt wurde – und dass das Team vor Ort, Wachschutz wie Bewohner, besonnen reagiert hätten. 

Das Flüchtlingsheim liegt mitten in einem Wohngebiet, umringt von Bäumen, 700 Meter entfernt vom Bahnhof Buch entfernt. Seit April 2015 stehen die bunten Container dort.

"Jetzt ist hier endlich wieder Ruhe!"

Die Menschen, die um die Unterkunft herum wohnen, haben unterschiedliche Meinungen zum Brand. Eine Frau, die im Haus direkt gegenüber vom Flüchtlingsheim wohnt, sagt  mit einem Grinsen im Gesicht: „Jetzt ist hier endlich wieder Ruhe!“ Das ganze Heim sei Fehl am Platze, „Merkel ist an allem schuld“, sagt sie und geht dann weiter. Vorbei an der ausgebrannten Flüchtlingsunterkunft, vorbei an den vielen Wahl-Plakaten der NPD, die hier seit ein paar Stunden hängen. Rechtsradikale Aktivisten haben sie direkt gegenüber der Unterkunft aufgehängt.

Die Parolen fallen bei einigen Anwohnern auf fruchtbaren Boden. „Ich habe zwar nichts gegen Ausländer“, sagt eine andere Anwohnerin, die mit einem Rollator unterwegs ist, dann fügt sie hinzu: „Frauen und Kinder? Kein Problem, die können kommen. Aber die Männer sollen zurück in ihre Länder und dort kämpfen“ sagt sie.

"Die Neonazis hetzen gegen jeden"

„Die haben nichts aus der Geschichte gelernt“, sagt ein anderer  Anwohner. „Die Neonazis hetzen gegen jeden, die sollten aber besser mal arbeiten gehen. Alles faule Krawallmacher.“ Dann sagt er noch: „Leider gibt es hier einige davon.“

Unweit vom Brandort hatte es am Montag eine Rangelei mit einem der Flüchtlinge gegeben. Dieser hatte NPD-Plakate, die gerade angebracht werden sollten, wieder abgenommen, daraufhin ging der Wahlkampfhelfer der NPD auf ihn los. Wachschützern gelang es, die beiden Männer zu trennen und die Lage zu beruhigen. Der NPD-Mann erstattete  Anzeige wegen Sachbeschädigung.

Bei den Bewohnern, die in der Flüchtlingsunterkunft bleiben konnten, ist der Brand im Moment das bestimmende Thema. Eine Bewohnerin  sagt, dass sie glücklicherweise am Tag des Feuers nicht dagewesen sei. Sie kommt aus Syrien und ist mit ihrem Sohn und ihrem Mann seit sechs Monaten in Buch. „Alle haben jetzt Angst, alle sind beunruhigt“, so die Frau. 

Ein anderer Bewohner sagt, dass die Polizei mittlerweile alles kontrolliert habe. „Ich weiß nicht, wer das Feuer gelegt hat“, sagt der junge Mann aus Libyen, der seit acht Monaten in Deutschland lebt und schon passables Deutsch spricht. Es könne sein, dass jemand von den Bewohnern den Brand gelegt  habe, möglicherweise Jugendliche, die  Drogen zu sich nehmen würden. Es könne aber auch sein, dass jemand von außerhalb eingedrungen ist, um das Feuer zu legen. „Man muss  jetzt abwarten“, sagt er.

Polizei sucht Zeugen

Ob es zwischen beiden Brandanschlägen am Montag einen Zusammenhang gibt, wissen die Ermittler noch nicht.  In beiden Fällen  kommt der Staatsschutz bei seinen Ermittlungen nicht wirklich voran. Es gebe Hinweise darauf, dass der Brand in Buch im Inneren des Gebäudes gelegt worden ist, hieß es lediglich. So soll der Brand im Kinderwagenraum entfacht worden sein. Das sollen die Spuren belegen. Das Motiv ist den Ermittlern noch unklar. Wie in solchen Fällen üblich, sagte ein Sprecher der Polizei: Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Polizisten klebten am Dienstag Plakate in den umliegenden Wohnhäusern. Darauf bitten die Fahnder Zeugen, sich bei ihr zu melden. 

Fest steht: Der Wachschutz der Unterkunft ist rund um die Uhr da. Das sei notwendig, weil bereits vor der Eröffnung mehrmals gegen das Heim protestiert wurde, sagt Nowak. Am 15. April vergangenen Jahres gab es einen fremdenfeindlichen Angriff auf den Komplex. Neonazis, die am Bauzaun „Heil Hitler!“ brüllten, hatten Wachleute angegriffen.

Bewohner werden aufgeteilt

Die 185 Bewohner, die im nun zerstörten Gebäudeteil in Buch untergebracht waren, sind inzwischen auf andere Einrichtungen verteilt worden, nach Köpenick und Marzahn-Hellersdorf. Dabei hatte Manfred Nowak gehofft, dass alle zusammen bleiben können, bestenfalls in   Köpenick. So sei es ihm zunächst auch vom Berliner Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) zugesichert worden, erklärte Nowak.
Diese Regelung hätte seiner Ansicht nach nur Vorteile gebracht: „Die Menschen kennen sich schon. Außerdem hätten unsere Sozialarbeiter sie dort dann weiter mitbetreut“, sagte Nowak. Das wird jetzt alles schwieriger, so der AWO-Kreisvorsitzende.