Die CDU-Kreisvorsitzende von Treptow-Köpenick, Katrin Vogel, unterstützt die Anwohner im Ortsteil Altglienicke, die gegen den Bau einer Containerunterkunft für Flüchtlinge auf die Straße gehen. Die 52-jährige Steuerberaterin sitzt seit 2011 für die CDU im Abgeordnetenhaus.

Frau Vogel, es gab Kritik an Ihrem Auftritt auf der Montagsdemo gegen ein geplantes Containerdorf, an der auch NPD-Mitglieder und andere Rechtsextremisten teilnahmen. Was sagen Sie zu der Kritik?

Für mich war nicht erkennbar, dass Rechte teilgenommen haben. Vom Verfassungsschutz gab es auch keinerlei Hinweise. Aber es war eine öffentliche Demo und Fakt ist, dass vor allem an der Venusstraße viele Rechte wohnen. Da kann man leider nicht ausschließen, dass einige kommen. Mit der Polizei war abgemacht, dass Rechte entfernt werden, wenn sie sich zu erkennen geben.

Haben Sie nicht Sorge, dass die Rechtsextremen mit ihrer Fremdenfeindlichkeit die Demo der Bürgerinitiative, die Sie unterstützen, unterwandern?

Die Demo hat gezeigt, dass es bislang nicht so ist. Alle Redner, auch ich, haben ganz klar geäußert, dass es nicht um Fremdenfeindlichkeit geht.

Worum geht es dann?

Es geht kurz gesagt um die Konzentration von Flüchtlingen auf wenige Ortsteile des Bezirks. Derzeit sind 60 Prozent der Flüchtlinge Treptow-Köpenicks in drei von 15 Ortsteilen untergebracht. Die Degewo plant in unmittelbarer Nähe zum Containerdorf ein Wohnprojekt, bei dem die Hälfte der Bewohner, also rund 250 Menschen, Flüchtlinge sein sollen. Auch die Gesellschaft Stadt und Land plant in der Nähe Ähnliches. Das wären dann mehr als 1 250 Flüchtlinge in Altglienicke, zu den dort bereits lebenden 634.

Was ist schlecht an preisgünstigen Wohnungen, von denen nicht nur Flüchtlinge mit Bleiberecht, sondern auch Deutsche profitieren?

Grundsätzlich nichts, aber der Senat verabschiedet sich damit gerade von der Linie der sozialen Mischung. Diese besagt, dass bei Neubauten 30 Prozent der Wohnungen für sozial Schwache zur Verfügung gestellt werden. Bei Neubauprojekten mit 100 Prozent Sozialwohnungen ist die Gefahr groß, dass der nächste Problemkiez entsteht und sich Parallelgesellschaften entwickeln. So wie im Kosmosviertel.

Ein sozialer Brennpunkt, um den sich seit Kurzem ein Quartiersmanagement kümmert.

Ja, und wo es öffentliche Einrichtungen wie das Bürgerhaus gibt, deren Mitarbeiter Angst vor Jugendbanden haben, die handgreiflich werden. Wir können nicht neben dem einem Problemkiez einen zweiten und dritten bauen!

Wo soll das Containerdorf, das dringend benötigt wird, Ihrer Meinung nach gebaut werden?

In Adlershof auf dem Wista-Gelände. Dort ist Platz, dort waren auch zwei Standorte vorgesehen. Aber diese waren irgendwann von der Senatsliste verschwunden.

Verschieben Sie das Problem damit nicht nur?

Nein, denn das Wista-Gebiet ist kein sozialer Brennpunkt wie der in Altglienicke.

Wie die Bürger beklagen auch Sie mangelnde Informationen über Flüchtlingsstandorte seitens der politisch Verantwortlichen. Hätten Sie nicht Ihren Parteifreund, Sozialsenator Mario Czaja fragen können?

Ich glaube, Mario Czaja war genauso überrascht von der jüngsten Liste des Finanzsenators wie wir alle. Diese Liste war nicht mit der CDU abgestimmt.

Wie soll es in Altglienicke jetzt weitergehen?

In zwei Wochen wird die nächste Montagsdemo stattfinden. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass das Containerdorf dort nicht realisiert wird.

Und wenn doch, werden Sie sich dann auch an der angekündigten Blockade der Baustelle beteiligen?

Darüber habe ich noch nicht nachgedacht.