Berlin - Eine andere Pflasterung, zwei Kioske mit Platz für Außengastronomie, Kübel für jahreszeitlich wechselnde Bepflanzung (siehe Grafik oben). So soll künftig der Mittelstreifen der umsatzstärksten Einkaufsmeile der Stadt aussehen, der Tauentzienstraße und Teile des Kurfürstendamms in der City West. Die Neugestaltung sowie die laufende Pflege und Reinigung sollen über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg insgesamt 8,7 Millionen Euro kosten, privat finanziert über eine Zwangsabgabe der Grundstückseigentümer entlang des Boulevards.

Schon lange klagen die Anrainer darüber, dass die für die Gestaltung des Tauentziens zuständigen Bezirksämter – in diesem Fall Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf – zu wenig Geld dafür ausgeben. Das Ergebnis sei ein unattraktives Umfeld von umsatzstarken Geschäften wie dem KaDeWe, Karstadt, oder Adidas.

Zuspruch vom Handelsverband

In den nächsten Wochen sollen die Pläne beim federführenden Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf eingereicht werden. Dann wird im Zweifel nachgebessert und veröffentlicht. Danach kann mit dem Umbau begonnen werden.

Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, hält das Vorhaben für „ein Instrument, funktionierende Einkaufsboulevards aufzuwerten“. Die florierende City West, in der sich ein finanzstarker internationaler Filialist an den nächsten reiht, sei dafür besonders geeignet. Nach dem Motto: „Starke Straßen stärken.“

Kritik kommt von der Initiative Radbahn. Stadtplaner und Architekten haben jüngst Entwürfe für eine Bahn für Fahrradfahrer unterhalb des U1-Viadukts in Kreuzberg vorgelegt. Diese Bahn soll Teil einer innerstädtischen Trasse sein, die von der Warschauer Straße zum Bahnhof Zoo führt – und damit auch den Tauentzien umfasst.

Radverkehr nicht berücksichtigt

Es sei kurzsichtig, dass der Radverkehr nicht berücksichtigt werde, sagt Architekt Matthias Heskamp und präsentiert einen Entwurf, in dem der Mittelstreifen auch von Radlern genutzt werden kann (Grafik unten). Das sei nicht nur zeitgemäß, sondern lohne sich auch. Studien zeigten die wirtschaftliche Bedeutung von Radinfrastruktur vor Geschäften. „Radfahrer besuchen Geschäfte häufiger und geben dort mehr Geld aus“, sagt er und hofft, dass die Politik doch noch eingreife und ein zukunftsfähiges Modell – natürlich inklusive Radinfrastruktur – auf den Weg bringe.

Ein weiterer Posten im Fünfjahresplan für Tauentzien und Kudamm ist der für City Guides. Teams sollen als Ansprechpartner unterwegs sein. Gleichzeitig sollen sie den Bettlern, Hütchenspielern und sonstigen Großstadtphänomenen auf die Pelle rücken, die einen ungestörten – und damit möglicherweise umsatzstärkeren – Einkaufsbummel so manches Mal beschweren.

Das stößt unter anderem bei Gangway auf Kritik, dem größten Träger für Straßensozialarbeit des Landes. Chef-Streetworker Jürgen Schaffranek fürchtet, dass seine Klientel vertrieben werden solle. Das sei im Übrigen verboten. „Ich sehe das als Schritt zur Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes. Und davon halte ich gar nichts“, sagt er.