Das Riesenrad-Gelände an der Hertzallee in der City West ist an eine Investorengruppe unter Führung der Reiß & Co Real Estate aus München verkauft worden. Über den Kaufpreis und mögliche Bebauungsvorschläge wurde zunächst nichts bekannt. Für solche Details sei es zu früh, hieß es aus München.

Das Riesenrad ist ein besonders spektakuläres Beispiel für gescheiterte Vorhaben. Im Oktober 2011 sollte sich auf dem Grundstück das Great Berlin Wheel drehen, mit seinen 175 Metern 40 Meter höher als das London Eye an der Themse, der bisherige europäische Rekordhalter. Ein Immobilienfonds sammelte Geld ein, aber die avisierten 120 Millionen Euro kamen nicht zusammen. Nun hat das gescheiterte Projekt ein gerichtliches Nachspiel. Nach jahrelangen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen steht fest, dass sich demnächst ein Riesenrad-Manager wegen Untreue in drei Fällen vor Gericht verantworten muss.

Beste Lage in der City-West

In der Berliner Verwaltung hatte man die hochfliegenden Pläne insgeheim stets mit Skepsis betrachtet. Dennoch hatte man die 25 Millionen Euro gerne genommen, die der Verkauf des Grundstücks eingebracht hatte. Für rund 17 Millionen Euro bekam der Zoo ein neues Wirtschaftsgebäude – die alten Baracken waren wegen des Riesenrades abgerissen worden. Der Bezirk stimmte einer Bebauung mit einem Riesenrad zu. Im Augenblick darf dort nichts anderes gebaut werden.

Bebauungspläne können jedoch geändert werden – und tatsächlich konnten und können sich Senats- und Bezirksverwaltungen und auch die Technische Universität (TU) auf dem seit Jahrzehnten brachliegenden Areal in bester Innenstadtlage allerlei vorstellen, nur kein Aussichtsrad.

Seit 2011 gibt es einen Masterplan für die Gegend zwischen Hertzallee, Müller-Breslau-Straße, Fasanenstraße und Bahntrasse, hervorgegangen aus einem Wettbewerbsverfahren der Stadtentwicklungsverwaltung. Laut diesem Plan sollte der Busbetriebshof der BVG nah an die Bahn rücken, auf dem freigewordenen Gelände sollte unter anderem ein Neubau für das Mathematik-Institut der TU entstehen. Da aber die Senatsfinanzverwaltung in der Ära von Senator Ulrich Nußbaum stets einen Rückkauf des Grundstücks abgelehnt hatte, kam die Uni nicht zum Zuge.

Kommen jetzt Hochhäuser?

Ganz anders, aber auch komplett riesenradlos, sind die Ideen des Berliner Architekten Jan Kleihues, der auf dem Areal den Bau von gleich mehreren Hochhäusern und Wohntürmen vorgeschlagen hat. Sechs Hochhäuser stellt sich Kleihues vor, eines soll 161 Meter hoch werden.

Angesichts dieser Pläne könnte vielleicht ein anderes Projekt in den Fokus rücken, das bisher kaum Chancen auf Verwirklichung hatte. Bekanntlich hat Kleihues’ Kollege Christoph Langhof für den Hardenbergplatz auf der anderen Seite der Bahntrasse einen Wolkenkratzer ins Gespräch gebracht, einen 209 Meter hohen Wohnturm, der auf einigen Stockwerken auch als Hotel genutzt werden sollte.

Das für den Hardenbergplatz zuständige Bezirksamt von Charlottenburg-Wilmersdorf lehnt die Pläne ab. Weder gebe es einen sicheren Finanzierungsplan, noch passe sich der Turm auch in seiner Höhe in die Umgebung mit dem Bahnhof und dem Zoo-Eingang ein. Das zumindest wäre auf der anderen Seite der Bahn mangels Nachbarn kein Problem.