Das Corona Behandlungszentrum in den Messehallen in Berlin.
Foto: Volkmar Otto

BerlinDas Urteil scheint eindeutig: Nach allem, was wir heute zu wissen glauben, braucht das Covid-19-Überlaufkrankenhaus auf dem Messegelände nicht noch die geplante zweite Ausbaustufe. Schon heute wirkt das Krankenhaus geradezu absurd überdimensioniert: In den 488 Betten der ersten Ausbaustufe ist seit Fertigstellung Ende Mai nicht ein einziger Patient behandelt worden. Und es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass sich das noch ändern wird.

Tatsächlich sind seit Ende Januar in Berlin nur 1406 Corona-Patienten stationär behandelt worden. An keinem Tag der Pandemie ist das normale Krankenhaussystem auch nur annähernd an seine Grenze gekommen. Stattdessen sind viele Krankenhausbetriebe in wirtschaftliche Not geraten, weil sie ihre Kapazitäten einseitig auf Covid-19 ausrichten und andere lukrative Operationen und Behandlungen hintanstellen mussten.

Dennoch hält Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci an dem Plan für die Erweiterung des Krankenhauses fest. Noch einmal 300 Betten sollen dazukommen. Für den Fall der Fälle. Dafür gibt es Kritik, selbst unter rot-rot-grünen Mitkoalitionären.

Sicher, die Gesundheitssenatorin könnte mit dem Vorbild des berühmtesten Krankenhauses der Stadt operieren, der Charité. Im Jahr 1710 wurde sie vor den Toren der damaligen Stadt als Pesthaus errichtet. Bekanntlich kam der schwarze Tod nur bis Bernau. Die für ihren ursprünglichen Zweck nicht gebrauchte Charité blieb bestehen, wurde Armenhospiz, Lazarett, Lehranstalt für Militärärzte, Uniklinik und ist heute mit mehr als 3000 Betten nicht nur eines der größten Krankenhäuser Europas, sondern auch eine von insgesamt elf deutschen Exzellenuniversitäten.

Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Druck so groß wird, dass selbst Teil 1 der Messe-Klinik noch in diesem Jahr wieder abgebaut wird. Die Messe braucht ihre Hallen zurück.