Die Prostituierte Lena möchte endlich wieder arbeiten dürfen. Das Recht dazu möchte sie sich jetzt vor Gericht erstreiten. (Symbolbild)
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BerlinNach rund drei coronabedingten Monaten ohne Arbeit hat die 41-jährige Lena Angst um ihre Existenz. Sie fühlt sich zudem diskriminiert. Denn anders als in nahezu allen anderen Berufszweigen gilt für Prostituierte eine striktes Arbeitsverbot, Lockerungen sind nicht in Sicht. Dagegen will Lena jetzt vor Gericht ziehen – und den Senat verklagen.

Der Gedanke dazu kam ihr in einem wiedereröffneten Spa im Herzen Berlins auf einer Massageliege. „Wenn mich eine Masseurin nahezu überall anfassen und berühren darf, warum darf ich das bei meinen Kunden dann nicht“, sagte sie. Ob es nun der Fuß, der Kopf oder eine intimere Körperstelle sei, habe „mit dem Coronavirus und einer möglichen Ansteckung doch nichts zu tun.“

Was die resolute Frau besonders wütend macht, ist „die Ungleichbehandlung der verschiedenen Berufe.“ So hätten etwa Frisöre die Auflage bekommen, von ihren Kunden Namen und Adressen zu notieren, um eine mögliche Infektionskette nachvollziehen zu können. „Das könnte ich ganz genau so machen“, sagt Lena.

Unterstützung aus der Politik

So hätten „viele meiner Stammfreier oder auch jüngere Singlemänner überhaupt kein Problem, ihre Namen zu hinterlassen, wenn sie zu mir kommen.“ Alle anderen würde sie ohne Umschweife wieder wegschicken, wenn es die Behörden verlangen. Dieses Möglichkeit würden die Behörden aber kategorisch ausschließen, „einfach nur weil man uns Huren nicht glaubt, dass wir wirklich nach Ausweisen fragen.“

Dass käuflicher Sex in Berlin nach wie vor zu finden ist, weiß man auch beim Senat, wie aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe hervorgeht. Auf eine ensprechende Frage heißt es in der Antwort: „Der Senat geht nicht davon aus, dass aktuell in Berlin keine Prostitution stattfindet.“ Für den Innenexperten ist damit klar, dass „ein Pauschalverbot der Prostitution sachlich nicht begründet und auch nicht zu erklären“ sei. Zudem habe der Senat mit seiner Antwort zugegeben, „dass die illegale Prostitution ohne Gesundheitsschutz, ohne Gewaltschutz und zu Gunsten der Organisierten Kriminalität aktuell boomt. Während die sauberen Anbieter pleite gehen, machen die Kriminellen Kasse.“

Schlechte Laune und Reizbarkeit wegen fehlendem Sex

Auch Felicitas Schirow, Deutschlands bekannteste Prostituierte und seit Jahrzehnten unermüdliche Kämpferin für die Rechte und die gesellschaftliche Anerkennung von Sexarbeiterinnen, fühlt sich sich als Prostituierte wie auch als Frau diskriminiert, wenn „durch das anhaltende Verbot unserer Arbeit in der Öffentlichkeit der völlig falsche Eindruck entsteht, Huren seien Virenschleudern.“ Zudem befürchtet Schirow, dass zwischenmenschliche Konflikte innerhalb der Gesellschaft deutlich zunehmen werden, wenn die Bordelle geschlossen bleiben. „Wenn ein Mensch es gewohnt ist, Sex zu haben und dann plötzlich keinen mehr bekommt, bringt das sein inneres Gleichgewicht ordentlich durcheinander.“ Schlechte Laune, Reizbarkeit und Streitlust sind nach ihren Worten die Folge.

Dennoch müssten Bordelle, in denen Menschen sich zu zweit aufeinander einlassen würden, geschlossen bleiben. Groß-Demos wie zuletzt am Alexanderplatz seien hingegen erlaubt. Hier werde „mit zweierlei Maß gemessen, auf Kosten der Frauen, die einfach nur wieder arbeiten wollen.“