Berlin - Ein ungewöhnlicher Bus ist auf der Linie 204 im Einsatz. Schon das Kennzeichen XNV 338 fällt auf – das Fahrzeug ist in Finnland zugelassen. Die Lackierung in weiß, blau und hellblau hat im Berliner Nahverkehr Seltenheitswert. Kabel und Stecker, die auf den Seiten prangen, zeigen den Fahrgästen, dass das auch für den Antrieb gilt. Ein finnischer Elektrobus vom Typ Linkker 12plus dreht auf der Linie zwischen Zoo und Südkreuz seine Runden.

Sein Berlin-Debüt erlebte der nordische Gast in der vorigen Woche während der Messe Bus2Bus. Voraussichtlich bis Montag bleibt er als Leihgabe in der Stadt. „Der Bus fährt zusätzlich zum regulären Fahrplan“, teilte die BVG mit. „Seine Einsatzzeiten variieren, die besten Chancen auf eine Probefahrt haben interessierte Fahrgäste vormittags zwischen 10 und 12 Uhr.“ Wer beim Fahrer ein Ticket kaufen will, erntet ein Schulterzucken. Der Bus ist zu kurze Zeit in Berlin, als dass es sich lohnen würde, ihn mit Verkaufstechnik auszustatten.

Auf der Linie 204 sind bereits seit 2015 Elektrobusse im Einsatz. Die vier Fahrzeuge vom Typ Solaris Urbino 12 electric haben ein Ladesystem, das wie bei einer elektrischen Zahnbürste funktioniert: per Induktion. Die Ladestellen sind an den Endstationen in die Fahrbahn eingelassen. Wenn dort die Busse in einer bestimmten Position halten, kann Strom fließen – was allerdings längst nicht immer funktioniert.

So hat die Technik Schwierigkeiten, die Ladebereiche zu erkennen. Auch das Herunterfahren des Ladesystems funktioniert nicht immer. Das Gleiche gilt für die Detektoren, die Metall auf dem Fahrbahnbelag erkennen sollen. Das alles trage dazu bei, dass das Bussystem nur zu rund 75 Prozent zuverlässig ist.

Reichweite 50 Kilometer

Der Bus aus Finnland funktioniert anders. „Momentan wird er per Stecker auf dem Betriebshof Indira-Gandhi-Straße geladen“, sagte André Stephan von Linkker. Das Fahrzeug hat auch einen Stromabnehmer, Pantograph genannt, auf dem Dach. „Einen entsprechenden Ladebügel gibt es aber bislang an keiner Station in Berlin. Das Fahrzeug wurde für den Verkehrsbetrieb HSL in Helsinki gebaut. Dort wird mittlerweile an vier Stellen per Pantograph schnellgeladen“, teilte Linkker mit. Das reguläre Zwischenladen dauere keine zehn Minuten.

Weil der finnische Bus für Strecken mit mehreren Ladestationen vorgesehen ist, kann der Energiespeicher kleiner und leichter ausfallen als bei anderen. „Mit einer Batterieladung kommt der Bus rund 50 Kilometer weit“, erklärte Stephan. „Die Reichweite entspricht unseren Prognosen.“ Mit einer Ladung fährt das Fahrzeug vom Betriebshof zum Südkreuz, zwei Umläufe auf der 204 und wieder zurück. Die Buslinie ist 6,1 Kilometer lang.

In einer Branche, in der traditionsreiche Hersteller wie Mercedes-Benz und Volvo lange Zeit den Ton angeben, wirkt Linkker wie ein Start-up. Das Unternehmen ist auch eines: Es entstand vor rund einem Jahrzehnt aus einem Forschungsprojekt. 2011 verließ der erste Elektrobus die Fabrik in Finnland. Inzwischen sind rund 20 Linkker-Busse im Einsatz, die wegen ihres geringen Gewichts und der großen Energieeffizienz guten Noten bekommen. Für zirka 300 weitere Fahrzeuge liegen Bestellungen vor.