Mit diesem Plakat protestierten Freunde aus der Berliner Technoszene gegen die Inhaftierung von DJ Denis Kaznacheev. 
Foto: Denis Kaznacheev

BerlinDer im Auftrag der USA in Berlin inhaftierte russische Musiker Denis Kaznacheev ist freigekauft worden. Bekannte des 36 Jahre alten Künstlers, der in Berlin lebt, haben in dieser Woche die nötige Kaution hinterlegt. Seine Verhaftung hatte für internationale Spannungen zwischen den USA, Russland und Deutschland gesorgt. Die USA fordern die Auslieferung des DJ, weil er Hunderte Millionen Dollar im Darknet gewaschen haben soll. Russland will das um jeden Preis verhindern. Zwischen den Großmächten steht Kaznacheevs Anwalt Jonathan Burmeister. Der Berliner Jurist geht davon aus, dass Kriminelle die Identität seines Mandanten gestohlen haben.

Sieben Wochen lang saß Kaznacheev in der Justizvollzugsanstalt Moabit. Am Montag hatte das Kammergericht in Berlin entschieden, dass er Haftverschonung bekommt, wenn eine Kaution hinterlegt wird. Seine Freunde sowie Fans aus der Berliner Technoszene sammelten für ihn Geld. „Dabei handelt es sich um keine absurde Summe“, erklärte Burmeister auf Anfrage. Wie hoch die gezahlte Kaution ist, wollte der Anwalt nicht sagen. Er bestätigte aber, dass sein Mandant am Mittwoch unter Auflagen freigekommen ist. Demnach darf Kaznacheev Berlin nicht verlassen. Dreimal in der Woche muss er persönlich bei der hiesigen Polizei vorstellig werden.

Mit der Entscheidung des Kammergerichts schwindet der von den amerikanischen Behörden aufgebaute Druck. Wenn es nach dem United States Secret Service geht, soll der 36-jährige Russen seit 2010 im Darknet Straftaten begangen haben. Er soll für russische Cyber-Kriminelle allein im Zeitraum von zwei Jahren 310 Millionen Dollar im Darknet gewaschen haben, heißt es in US-Dokumenten, die Kaznacheevs Anwalt vorliegen. Er selbst soll in diesen beiden Jahren 1 bis 5 Prozent Provision erhalten haben, also zwischen 3,1 bis 15,5 Millionen Dollar.

Der Musiker, der seit über einem Jahr in Berlin lebt, beteuerte von Anfang an seine Unschuld. Er lebt in einer kleinen Wohngemeinschaft und ist stets klamm, heißt es aus seinem Umfeld. Sein Anwalt berichtete, dass er zuletzt nicht mal wusste, wovon er die Miete zahlen sollte.

Seine Booking-Agentur, Freunde und Bekannte vermuten eine Verwechslung. Sein Anwalt geht davon aus, dass die tatsächlichen Täter die Daten und Fotos vom DJ benutzt haben, um die Straftaten zu begehen. Bei seiner Festnahme hatte er sein Handy, Computer und das Internetmodem freiwillig zur Verfügung gestellt. Kaznacheev sagte zudem gegenüber Ermittlern aus, dass er einen flüchtigen Bekannten an seinen Computer gelassen habe. Dieser Mann sei von den USA bereits verhaftet worden. In den Vernehmungen habe der Verdächtige der US-Justiz mehrere Namen genannt, darunter auch den des Berliner DJ.

Der Fall wird in Russland genau verfolgt. Die Regierung dort hatte nach der Verhaftung über die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, mitgeteilt, dass eine Auslieferung an die USA für Russland inakzeptabel sei. Man werde dies entschieden verhindern, so Sacharowa laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sputnik. Doch auch nach der bezahlten Kaution läuft das Auslieferungsverfahren weiter. DJ Denis Kaznacheev und seine Freunde wollen deshalb am Sonnabend vor der JVA Moabit gegen die Auslieferungspolitik der USA demonstrieren.