Es war das erste richtig schöne Wochenende in der deutschen Hauptstadt und als ich am Sonntagmorgen von Kreuzberg nach Mitte radelte, wusste ich, was ich in zwei Jahren Pandemie nicht vermisst hatte. Bereits zwei Radminuten später, auf dem Mehringdamm, kam mir eine Gruppe junger Männer entgegen. Einer davon trug einen Baby-Strampler in Rosa, die anderen bunte Perücken mit Zöpfen. Die Perückenbande stand um einen ihrer Freunde herum, seine rote Pipi-Langstrumpf-Plastikmatte war ihm in den Nacken gerutscht und er erbrach sich herzhaft auf das Gras neben der Fahrbahn – offenbar ein Junggesellenabschied auf Sauftour in Berlin. Ich fuhr noch an ein paar Pfützen Erbrochenem in verschiedenen Konsistenzen vorbei, bevor ich die Wilhelmstraße erreichte.

Eine Mischung aus Bier, Softdrinks und Pisse

Ich zählte bis zur SPD-Zentrale circa zehn zerbrochene Bierflaschen, einen Damenschuh, drei Pizzakartons und zwei Nudelboxen, alle noch mit halbem Inhalt. Die Wilhelmstraße war übersät mit Flecken zwielichtigen Ursprungs, wahrscheinlich eine Mischung aus Bier, Softdrinks und Pisse, die im Sonnenlicht einen betäubenden und gleichzeitig scharfen Geruch entwickelte, der wie eine Glocke über der Straße hing – Berlin, du hast ein Schmutzproblem, und die Tatsache, dass es seit Wochen nicht richtig geregnet hat, machte die Sache weder besser noch sauberer. Ich radelte weiter. Gegenüber des Finanzministeriums saß eine Gruppe Jugendlicher auf dem Bürgersteig inmitten eines Feldes von Glasscherben.

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Müll im Tiergarten. Immerhin zur Hälfte da, wo er hingehört.

Ich zählte weitere zerbrochene Flaschen auf der Friedrichstraße, mehr Pizzakartons, mehr Pappboxen, weggeworfene Aluschachteln und ein halbes Fahrrad, das vor der Kreuzung Unter den Linden auf der Straße lag. Als ich zwei Stunden später zurückfuhr, lag es dort noch immer. Berlin, du hast wirklich ein Problem mit Dreck, und dafür, dass du immer eine Metropole von Weltbedeutung sein willst, bist du, ich entschuldige mich für den Ausdruck, wirklich eine Drecksstadt.

Was hat diese Stadt nur an sich, dass die Menschen, die hier leben und die, die hier zu Besuch sind, glauben, sie können sich benehmen wie die Axt im Walde? Ständig sehe ich Männer, die sich in der Öffentlichkeit erleichtern. Teenager, die ihren Müll einfach liegen lassen als ob Mutti ihr ganzes Leben lang hinter ihnen herräumen würde. Eine Antwort auf meine Frage habe ich bislang nicht gefunden. Ich hoffe nur, dass es bald mal regnen wird.