Berlin Dungeon am Hackeschen Markt: Wenn mir's nur gruselte

Berlin - Falltüren sind mit Blut bespritzt, der Folterknecht schwingt den Haken und in der Ecke wimmert ein Pestopfer mit eitergefüllten Beulen. Szenen wie diese werden in Berlin bislang nur im Gruselkabinett am Anhalter Bahnhof inszeniert. Nun soll es ab dem Frühjahr 2013 eine neue Adresse zum Fürchten geben.

Die britische Merlin Entertainments Group, die in Berlin bereits das Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds, das Aquarium Sea Life und das Legoland Discovery Centre betreibt, hat eine neue Attraktion angekündigt. Das Unternehmen will im Herbst anfangen, an der Spandauer Straße in Mitte das 15-Millionen-Euro-Projekt Berlin Dungeon zu bauen. Das englische Wort Dungeon bedeutet übersetzt Verlies oder Kerker.

Auf zwei Etagen und 2500 Quadratmetern sollen in dem Wohnriegel gegenüber dem Sea Life neun Räume mit Shows und Spezialeffekten entstehen, die durch die dunklen Seiten der Berliner Geschichte führen – vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert.

Will man eine Ahnung bekommen, was Besucher dort genau erwartet, schaut man am besten nach Hamburg. Dort gibt es seit zwölf Jahren ein Dungeon, in dem Kinder 19 und Erwachsene 23 Euro Eintritt bezahlen. Ein 90-minütiger Spuk-Rundgang führt in mittelalterliche Folterkeller und zu Störtebekers Hinrichtung, garniert mit abgeschlagenen Köpfen, Schiffsgeistern und fiesen Zuchthaus-Wärtern.

Mit welchen Programmpunkten man in Berlin rechnen darf, ist noch nicht zu erfahren. Der Hauptmann von Köpenick vergammelt in einer düsteren Gefängniszelle in Tegel? Eckensteher Nante wird bei lebendigem Leibe gehäutet? „Die Kreativkonzepte für den Rundgang gibt es schon. Es wird auch ein Fahrgeschäft geben. Mehr wird noch nicht verraten“, sagt Firmensprecherin Nina-Kristin Zerbe.

Dopplung mit Dominastudio

Mit der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM), der das Haus an der Spandauer Straße gehört, ist man sich einig. Die Räume standen lange leer, wurden für Ausstellungen zwischengenutzt. Bei der WBM ist man froh, einen ständigen Mieter gefunden zu haben. „Das neue Hackesche Quartier zieht viele Touristen in die Spandauer Straße“, sagt Sprecherin Steffi Pianka. Da liege es nahe, „das Thema Entertainment zu bedienen.“ Nun fehlt noch die Baugenehmigung.

Im Gruselkabinett am Anhalter Bahnhof sieht man das Dungeon nicht als Konkurrenz. Chefin Marlit Friedland sagt, ihr Konzept im Luftschutzbunker sei ganz anders. Bei ihr huschen fünf Erschrecker zwischen Skeletten umher und bringen junge Touristinnen zum Kreischen.

Das Dungeon, sagt Sprecherin Zerbe, wolle mit der gruseligen Geschichtsshow auch Wissen vermitteln. Zielgruppen sind Familien, Teenager, junge Erwachsene. Für die Inszenierung sollen ab Jahresende Schauspieler gecastet werden.

Berlin wird der achte Ableger des Konzepts sein, das 1975 in London startete. Der Hamburger Spukpalast zählte in zwölf Jahren mehr als drei Millionen Besucher.

Eine Komplikation haben die Betreiber aber noch zu lösen. An der Spree gibt es schon ein Dungeon. Das „Dungeon Berlin“ – es hat auch eine gleichlautende Internetpräsenz – ist ein Dominastudio in Reinickendorf, das mit devoten, dominanten und bizarren Damen wirbt, die SM-Spielarten wie Käfighaltung und Zwangsrasieren anbieten. Merlin-Sprecherin Zerbe ist das bekannt. Man wolle verhindern, dass da Parallelen gezogen werden und suche nach Auswegen.