Wenn knallharte Manager sentimental werden, muss etwas Wichtiges passieren. Am Montag war so ein Ereignis. Tom Miserendino, der Europa-Chef der US-amerikanischen Anschutz Entertainment Group, war sichtlich bewegt, als er vor der Großarena am Ostbahnhof den symbolischen Spaten in die Hand nahm. Anlass war der offizielle Baubeginn für ein neues Quartier vor der Arena.

Auf 6500 Quadratmetern Fläche, die Mercedes Platz heißt, entsteht in den kommenden 27 Monaten ein Entertainment-Viertel. Mit Großkino, einer zweiten, kleineren Veranstaltungshalle, einem Bowlingcenter, etwa 15 Gaststätten und zwei Hotels – und mit viel öffentlicher Fläche zum Flanieren zwischen Wasserfontänen. Die Anschutz Entertainment Group investiert rund 200 Millionen Euro in das Quartier.

„Was vor 15 Jahren als Vision eines Mannes begann, wird nun Realität“, sagte Tom Miserendino. Als Visionär bezeichnete er seinen Chef, den US-Milliardär und Unternehmenschef Phil Anschutz. Der hatte vor 15 Jahren entschieden, die alte Bahnbrache am Ostbahnhof in Friedrichshain zu kaufen. Auf gut 20 Hektar Fläche nahe der ehemaligen Mauer wünschte er sich ein lebendiges Quartier. Als erstes fertig war die Großhalle, die im September 2008 eröffnet wurde. Lange Zeit war sie der einzige Neubau, von Kritikern auch als „Ufo in der Wüste“ verspottet.

20.000 Arbeitsplätze

Doch seit 2013 der Daimler-Konzern seine Deutschland-Vertriebszentrale neben der Arena eröffnete, ziehen auch andere Unternehmen nach. Zalando baut dort seine neue Firmenzentrale, auch andere Firmen ziehen dorthin. Ein Hotel und zahlreiche Büros sind schon eröffnet, vor kurzem war Baubeginn für ein Shopping-Center an der Warschauer Brücke. Und selbst für ein geplantes 140-Meter-Hochhaus gibt es Interessenten.

Das Areal gegenüber der East Side Gallery, so befand auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller, ist zu einem Ort geworden, an dem Berliner Stadtentwicklung deutlich werde: „In einem atemberaubenden Tempo wird hier gebaut und entstehen Arbeitsplätze“, sagte der SPD-Politiker.

Autobauer redet übers Fahrrad

Dass dort bis zum Jahr 2020 nicht nur 20.000 Arbeitsplätze, sondern auch Wohnungen für 4000 Menschen entstehen, ist Müller besonders wichtig. Es sei auch ein Statement der Investoren für den Standort. Denn das neue Quartier am Ostbahnhof, daran erinnerte Müller, habe nicht nur Befürworter. Kritiker vor allem aus der grün-alternativen Szene in Friedrichshain-Kreuzberg hatten vor allem das Kommerzielle bemängelt – den Mercedes-Stern auf dem Dach als Symbol des Kapitals, die grellen Werbevideos auf riesigen LED-Bildschirmen. Auch über die Fassaden wurde in Workshops heftig diskutiert. Müller: „Natürlich müssen sich Investitionen rechnen, aber das hier ist ein besonderer Ort, deshalb haben wir immer nach einem einen guten Kompromiss gesucht.“

Was auch für das Entertainment-Viertel zutreffe. Es werde viele Menschen begeistern, so Müller. „Auch jene, die sich noch fragen, ob das wirklich nötig ist.“

Bei Anschutz-Nachbar Mercedes-Benz ist die Begeisterung jetzt schon groß. Das Unternehmen wird im Vergnügungsviertel nicht nur einen Showroom haben. „Wir werden dort auf knapp 600 Quadratmetern auch über das Thema urbane Mobilität der Zukunft diskutieren“, sagte Carsten Oder, Chef der Geschäftsleitung der Mercedes-Benz Vertriebszentrale. Im „Mercedes-Me-Store“ wolle man nicht nur über Autos reden, sondern auch darüber, wie der zunehmende Fahrradverkehr und der öffentliche Nahverkehr besser verzahnt werden können.