Berlin - An der Pufendorfstraße in Friedrichshain wird gebuddelt, mehr als 600 neue Wohnungen will dort ein Hamburger Investor errichten. Doch bevor die Baukräne kommen, geht es auf der gut 17.000 Quadratmeter großen Fläche um ein Kapitel Berliner Geschichte: Ein ehemaliger städtischer Armenfriedhof wird ausgegraben und umgebettet.

Die archäologischen Grabungen, für die das Landesdenkmalamt und die bezirkliche Denkmalschutzbehörde zuständig seien, fänden seit Juli dieses Jahres statt, wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mitteilt. Die Arbeiten sollen 2017 fortgeführt werden. Die Gebeine sollen auf dem Friedhof Plötzensee am Dohnagestell beigesetzt werden. Ein Teil werde für spätere Untersuchungen im Depot der Berliner Bodenfunde eingelagert.

Der größte Armenfriedhof Berlins

Der Armenfriedhof wurde von 1832 bis 1881 angelegt. Es war laut Senatsverwaltung der größte seiner Art in Berlin. 1881 wurde er geschlossen. In einem Teil des Areals wurden auch Überreste von Anatomieleichen vorgefunden.

Epidemien hätten dazu geführt, dass die Zahl der Sezierungen von Verstorbenen deutlich angestiegen sei. Diese Untersuchungen seien bevorzugt in der Berliner Charité vorgenommen worden. Für das Jahr 1831, so die Senatsverwaltung, sei eine Cholerawelle in Berlin überliefert, der unzählige Menschen zum Opfer gefallen seien. Aus Angst vor Ansteckung wurden die Gestorbenen außerhalb der damaligen Stadt beigesetzt. Der Berliner Magistrat kaufte 1822 Land vor dem Landsberger Tor, um es als Begräbnisstätte zu nutzen.

Bezeichnend für den Armenfriedhof: Es gibt keine Einzelgräber, sondern es wurden dicht an dicht Holzkisten mit mindestens fünf Menschen oder menschlichen Teilen beigesetzt. Die Bergung und Umbettung des Friedhofs muss der Investor übernehmen, der dort Wohnungen bauen möchte.